Buch 
Napoleons Feldzug in Sachsen im Jahr 1813 : eine treue Skizze dieses Krieges, des französischen Kaisers und seiner Umgebungen / entworfen von einem Augenzeugen in Napoleons Hauptquartier, Otto Freiherr v. Odeleben
Entstehung
Seite
93
JPEG-Download
 

93

französischen Krieger, welche zury Theil reichlichmit allen Hülfsmitteln zum Genusse versehen, sichwährend der Waffenruhe für die erduldeten Be-schwerden schwelgerisch erholten, wirkte eben soansteckend, als das Seuchengift, das ihre Kran-ken verbreiteten. Wie viel man auch auf Rech-nung der frühern Kriegsjahre sehen mag, so ver-rieth sich's doch immer mehr, wie hoch besondersunter der, den Einwirkungen des bösen Beispielsvorzüglich ausgesetzten, niedern Volksklasse dasSittenverderbniß durch den Verkehr mit denFremdlingen gestiegen war. Die Jugend dieserVolksklasse zeigte sich seitdem weit roher und hatteeine überraschend vertraute Bekanntschaft mit derLiederlichkeit erlangt. Es war das goldne Zeital-ter der Huren und Kupplerinnen, und manche,besonders unter den lehtern, gewann so viel, daßsie Geld auf Zinsen legen, oder Häuser mit Na-poleond'or bezahlen konnte. Die Arbeitscheu nahmzu unter der geringern Volksklasse. Die Leichtig-keit, sich durch Hökerei und Feldkrämerei Unterhaltzu verschaffen, und sich sogar etwas zu sammeln,verleitete unzählige Menschen, nach solchem beque-men Erwerbe zu trachten, so daß man anfing,Arbeiten für Tagelohn zu verschmähen. Dieß hattenicht nur den vorübergehenden Nachtheil, daß die,durch das Gedeihen jenes Erwerbzweigs vermehrte,Aufkäuferei, welcher eine, unter kriegerischen Un-ruhen nachlässiger gehandhabte, Marktaufsicht nichtEinhalt that, die Theurung der ersten Lebensbe-