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Der Krieg des verbündeten Europa gegen Frankreich im Jahre 1815 / von Carl v. Plotho
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sie an ihre Siege, und an die Zeiten ihres Ruhms erinnern, dennvon der Kraft seiner Worte hing der Erfolg seines , gewagtenUnternehmens ab; doch beinahe konnte er der alten Kampfgefähr-ten gewiß seyn, denn nicht leicht können Soldaten ihren Feldherrnverdammen und ihm ungetreu werden.

Am 6ten März Nachmittags brach er von Gapp auf, undlagerte zur Nacht bei Gorp, sein Dortrab Al Mure, die königli-chen Truppen standen ihm unfern gegenüber jetzt galt es dieEntscheidung; da ging Napoleon persönlich jenen königlichenTruppen entgegen, sprach zu ihnen freundliche Worte, erinnertesie an die große Vergangenheit, die sie gemeinschaftlich verlebt,und bot ihnen sein Leben preis; und diese unerwartete Art, diesefurchtlose Hingebung seiner Person, verfehlten nicht ihren Zweck,die Soldaten, lebhaft bewegt und ergriffen, ergaben sich ihm sowie früher: es lebe der Kaiser! durchtönte die Lüfte, und in seinerAnhänglichkeit zeichnete sich besonders ein Bataillon des Lten Li-nien-Regiments aus, welches in Italien unter ihm einst großenRuhm erworben hatte.

Am 7ten März wurde der Marsch nach Grenoble fortgesetzt,auf dem Wege dahin kam ihm das 7te Linien-Infanterie-Regi-ment von dem Oberst Labedoyere geführt, schon entgegen, undschloß sich an seinen Zug an, der um 9 Uhr des Abends vor Gre-noble eintraf. Die Thore waren bald erbrochen, die Besatzung gingzu ihm über, und durch Grenoble gewann er einen festen Platz,Geschütz und Schießbedarf; er war nun schon an der Spitze vong bis 10,Mann alter, versuchter Truppen. Schon wurde eSdeutlich, daß das abentheuerliche Unternehmen Napoleons eine sehrernsthafte Gestalt annehme, und daß es gelingen werde; denn kein^chuß siel, alle Soldaten gingen zu ihm über, die Nationalgardenverhielten sich ruhig, das Volk empfing ihn mit Beweisen derFreude, die furchtsame Menge erkannte ihn schon als ihren Herr-scher, und demüthigte sich vor ihm, wie früher.

Anst Lten März hielt Napoleon über seine Truppen Muste-rung, und marschirte hierauf, mit Geschütz wohl versehen gegenLyon ab.

Am gten März traf er in Bourgoin ein.

Am inten März traf er vor Lyon ein, die Brücken (beiGuillotiere und Mirbel) über die Rhone waren ihm erhalten, undschon am Morgen mußte der Graf ArtoiS, nebst den MarschällenMacdonald und St. Cyr, nach vielen vergeblichen Anstrengungenvon hier abreisen, worauf ihre Truppen, ungefähr 6000 Mann,