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L) Die Reserve-Armee
aus den alten und jungen kaiserlichen Garden unter demMarschall Mortier bestehend; sie stand theils zu Paris,theils zu Laon und Avesnes.
Die Stärke und spezielle Eintheilung des französischen Kriegs-heeres ist aus der Beilage, No. 3 , zu ersehen.
Am isten Juni erließ der Marschall Soult als Major-Ge-neral einen Tagesbefehl an das französische Kriegsheer, und allesdeutete auf den baldigen Ausbruch des Krieges. Am i2ten Junium 4 Uhr des Morgens verließ Napoleon Paris, und reisete nachdem Hauptquartier Laon, am iZtcn nach Avesnes und am igtennach Beaumont, woselbst er über das dort vereinigte Hauptheer(die Nord-, Ardeunen-, Mosel- und Reserve-Armee) Heerschauhielt, und an dasselbe einen Aufruf erließ.
So hatte Napoleon also hinter den Festungen Dalengiennes,Maubeuge und Philippeville, unweit den Grenzen des Königreichsder Niederlande, sein treffliches Kriegsherr versammelt, welchesaus dem Kern der französischen Kriegsmacht gebildet, und in5 Heercstheile getheilt war, zu welchen noch die kaiserlichen Gar-den und 4 TorpS Reiterei hinzufließen; die letzter» bestanden, ohnedie Reiterei der Leibwache, aus 2g Regimcnterzi, die wohlgeübt,und trefflich ausgerüstet; das Kriegeheer von ungefähr igo.oooMann, worunter 20,000 Mann Reiterei war, führte 400 StückGeschütz, und, gegen frühere Sitte, einen Zug von 400 Proviant-wagen bei sich; es war ein schönes, zum Kampf und zum Siegebegieriges Kriegsherr.
Wahrscheinlich war Napoleons erster umfassender Operations-plan, durch das gänzliche Mißlingen der Müratschen Diversionverändert worden; und jetzt, nachdem er 2 Monat versäumt hatte,statt wie er sollte, im April entweder Italien oder die Niederlandeanzugreifen, da Mürats Heer von den Oestreichern überwältigt,durch die Schweiz wie durch das südliche Frankreich große Hee-resmassen in Anmarsch waren; jetzt blieb ihm nichts weiter übrig,als die verbündeten Kriegsherr«: in den Niederlanden schnell anzu-greifen, sie zu trennen, jedes derselben mit überlegener Machteinzeln anzugreifen und zurückzuwerfen, Wellington an die See,Blüchern über die Maas gegen den Rhein, alsdann Belgien unddas linke Rheinufer in Aufstand zu bringen, durch seine Siegeüber die berühmten Feldherren, seine Feinde in Schrecken zusetzen, seinen Franzosen hingegen Muth zu geben.