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C.G. Calwers Käferbuch : Naturgeschichte der Käfer Europas / herausgegeben von Professor Dr. G. Jäger : zum Handgebrauche für Sammler
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der Bauchseite der Leibeswand befestigt, zieht der Centralnervenstrang,der mit einem die Speisenröhre umgebenden Nervenknotenring im Kopfebeginnt und in seinem Verlauf durch Brust und Bauch noch mehrere Knotenbesitzt. Von ihm entspringen die Nerven für die Muskeln und Sinneswerk-zeuge. Als Werkzeuge für die Atmung besitzen die Insekten reich verästelte,den ganzen Körper und alle Organe durchziehende Röhren (Tracheen), diesich an mehreren bestimmten Punkten, den sogenannten Stigmen oderAtmungslöchern, nach aussen öffnen. Diese Röhren bestehen aus einerelastischen Haut, deren Lichtung offen steht; drückt das Insekt seinen Leibzusammen, so entweicht die Luft nach aussen, wie aus einem Kautschukrohrdas man zusammendrückt, und wenn der Druck nachlässt, so füllen sich dieRöhren wieder. Insbesondere bei den Larven liegt in der Leibeshöhle, dieübrigen Organe deckend und einhüllend, eine gelbliche, flockige Masse: derFettkörper. Die Gesch 1 ech ts werkze uge liegen im Hinterleib undzwar männliche und weibliche stets auf zwei verschiedene Tiere verteilt. DasWesentlichste der weiblichen Geschlechtswerkzeuge sind die Eierstöcke, diemeist gegliederte Röhren darstellen und sich in den Eileiter öffnen; anletzteren befinden sich häufig noch Nebenapparate (Samentasche, Kittdrüsen,Begattungstasche). Manche weibliche Insekten besitzen noch bohrende undstechende Werkzeuge, mit denen sie entweder ihre Eier an ihren Bestimmungs-ort bringen (Legebohrer) oder sich verteidigen (Stachel). Die männlichenGeschlechtswerkzeuge bestehen aus den samenbereitenden Hoden, den Samen-leitern und dem Begattungsglied.

Von Sinnes Werkzeugen kommen den Insekten meist deutliche, oftsehr entwickelte Augen zu, von denen die Hauptaugen zu zweit (öftersauch zu viert) seitlich am Kopfe sitzen und viele Felderchen an der Ober-fläche tragen (facettierte Augen). Ausserdem haben viele noch sogenannteNebenaugen, die auf der Stirne zwischen den Hauptaugen stehen. Ge-sonderte Gehörorgane sind nur bei wenigen Insekten entdeckt, so dassman annehmen muss, es komme das Hören meist in der Weise zustande, dassder Schall zitternde Bewegungen der Körperdecke hervorruft, welche von denanliegenden Nervenenden wahrgenommen werden. Geruchsorgane hatman an den Insekten noch nicht entdeckt, trotzdem dass ihr Geruchsinnsehr entwickelt ist und viele sogar auf weite Entfernung ihre Nahrung oderihre Weibchen wittern. Als Tastorgane haben insbesondere einige amKopfe angebrachte gegliederte Fortsätze, die Fühlhörner und Palpen,zu gelten. Bei manchen, besonders Wasserinsekten, kommen hiezu nocheigene Tasthaare.

Die Insekten pflanzen sich wenige Lebendiggebärende ausgenommen durch Eier fort. Aus diesen schlüpft das Insekt entweder vollständigin der Form und mit den Teilen, die auch das erwachsene Tier besitzt(Insekten ohne Verwandlungen, Insecta ametabola), oder das neugeboreneunterscheidet sich mehr oder weniger vom erwachsenen und heisst dannLarve. Diese geht durch mehrere Häutungen in den erwachsenen Zustand,