XVII
noch mehr aber solche, die als Käfer Blütenstaub und Blütenhonig fressenund deren giebt es sehr viele (siehe unten). Für diese ist die Hauptsaison,wenn die Bäume und Gesträuche blühen. In tieferen Lagen ist für sieder Hauptmonat der Mai, in höheren mehr der Juni, besonders dessen ersteHälfte, im Hochgebirge fällt die Saison der Blütenkäfer erst in den Juli.
Schon spärlich wird es mit den Käfern, wenn die Wiesen zu blühenanfangen; jetzt treten gewisse Raubkäfer auf, von denen sich auf den Blüteninsbesondere die Telephoriden breit machen. Auf den Wegen erscheinendie Cicindelen, um wie jene Jagd auf die jetzt in Masse erscheinenden Zwei-flügler zu machen. Nach der Heuernte geht es mit dem Treiben der Käferim Freien sehr zur Neige und nächst dem Winter ist der Hochsommer (Juliund August) die Zeit, in der man am wenigsten Käfer sieht und findet,während im September wieder mancher von den Frühlingskäfern erscheint,die jedoch bald zur Ueberwinterung verschlüpfen.
Ueber die Nahrung der Käfer findet der Leser bei den einzelnenGattungen und Arten das Nötige angegeben, es sei deshalb hier nur folgendesbemerkt. Bei vielen, aber durchaus nicht bei allen, Käfern nährt sich derfertige Käfer von den gleichen Stoffen, wie seine Larve; so ist es ein sehrgewöhnlicher Fall, dass Käfer, deren Larven sich von Holz oder tierischenResten nährten, nur noch Blütenstaub, oder Nektar oder ausfliessende Pflanzen-säfte geniessen. Nach der Art ihrer Nahrung unterscheidet man Raubkäfer,die sich von lebenden Tieren, meist wieder Insekten oder Würmern, Schnecken,jungen Fischen etc. nähren, Aaskäfer, Dungkäfer, Holzkäfer, Rindenkäfer,.Blattkäfer, Blütenkäfer etc.
Die Fortbewegung besorgen die Käfer durch Fliegen, Laufen, Hüpfen,Schnellen, Schwimmen und Fallen. Der Flug der Käfer geht in der Regel— namentlich bei allen grösseren — stätig gerade aus und ist ziemlichschwerfällig, wodurch der Erfahrene schon aus der Entfernung dieselben vonden unstet und leicht fliegenden anderen Insekten untercheidet. Nur beiganz kleinen Arten sieht man einen geigenden Flug. Wenige Käfer sind soschnell und flugparat, dass zu ihrem Fang das Netz erforderlich ist; derleisind z. B. die Cicindelen, manche Buprestiden und Donacien, doch auch diesenur im hellen Sonnenschein; die meisten Käfer lassen dem Sammler vor demAbfliegen genügend Zeit, um sie mit der Hand zu ergreifen. Im Laufenzeichnen sich besonders die Carabiden, die man deshalb auch Laufkäfer nennt,sowie die Staphylinen durch grosse Geschicklichkeit und Schnelligkeit aus,und auf rauhem, rissigem Terrain bereiten sie dem Anfänger manche Ent-täuschung; das Netz ist hiebei nicht zu gebrauchen. Noch schwieriger sinddie hüpfenden Käfer, die Erdflöhe (Haltica) und Springrüssler (Orchestes)zu ergreifen. Mittelst ihrer dickschenkligen Hinterfüsse führen sie blitzartig,wie die Flöhe, weite Sprünge aus und bringen einen selbst, wenn man sieschon im Streifsack hat, noch in Not. Eine eigentümliche Fortbewegungs-methode ist das Schnellen, durch das eine ganze Familie, die der Schnell-käfer (Elateriden), ausgezeichnet ist; sobald sie auf den Rücken fallen, so
Calw er» Käferbuch. h