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C.G. Calwers Käferbuch : Naturgeschichte der Käfer Europas / herausgegeben von Professor Dr. G. Jäger : zum Handgebrauche für Sammler
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Das Töten der Käfer.

Hiezu bedienten sich in früherer Zeit die Sammler fast auschliesslichdes gewöhnlichen Weingeistes, in den man die lebenden Käfer wirft undden man in einem weithalsigen Kolben aus stärkerem Glase (einem so-genannten Opodeldoc-Kolben) bei sich führt. Diese Methode hat jedochmannigfache Nachteile.

1) Bei behaarten Käfern verkleben beim Trocknen die Haare, so dasssie gänzlich entstellt sind, und beschuppte und bestaubte Käfer werden beidem fortwährenden Durcheinanderschütteln oft ganz abgerieben.

2) Manche Farben leiden durch den Weingeist, insbesondere die rote,die oft ganz unkenntlich wird.

3) Zieht der Weingeist gewisse Stoffe aus den Käferleibern aus, wasbewirkt, dass die getrockneten Tiere brüchiger sind, als trocken getötete.

4) Das Aufgehen und Zerbrechen eines Glases in der Tasche, oder nurdie Anwesenheit eines undichten Stöpsels ist bei Weingeist ein entschiedengrösseres Malheur als bei einem Glas, das keine Flüssigkeit enthält.

Deshalb giebt man jetzt der trockenen Tötung den Vorzug, undwendet die Weingeisttötung nur da an, wo die trockene aus einem der nach-her zu erwähnenden Gründe unzulässig ist.

Das beste Mittel zu letzterer Methode ist das Cyankalium, bei demder einzige missliche Umstand ist, dass es auch für den Menschen eines derheftigsten Gifte ist. Gemindert wird dieser Uebelstand jedoch durch dieAnwendungsweise bedeutend. In Bezug auf diese kann man mehrere Me-thoden befolgen.

1) Auf ein weitmündiges starkes Opodeldocglas sucht man einen mög-lichst guten, d. h. klein- und weniglöcherigen, fast cylindrischen Korkstöpsel,der mindestens die Länge eines kleinen Fingers hat und sich bis zur Hälftein das Glas hineinschieben lässt. In diesen wird von unten her ein glattesrundes Loch von dem Durchmesser eines Zwanzigpfennigstückes und etwa2 cm tief sorgfältig ausgearbeitet. In das Loch legtman mit einem Zängchen ein stark erbsengrosses Stückdes festen, zuckerartig aussehenden Cyankaliums undverschliesst das Loch durch einen kleinen gleichfallssorgfältig ausgewählten guten Korkstöpsel, an dessenSeite man zuvor zwei gegenüberliegende Kerben ein-geschnitten hat, damit das Gift durch dieselben aus-dünsten kann. Hierauf sticht man, um den kleinen