Erstes Kapitel.
Die Franzosen ziehen sich von der Mcmcl bis zur Weichsel zurück.
Also hatte der Todesengel am Ende des verhängnisvollenZahreö igi2 jenes große und übermüthige Eroberungsheer ver-nichtet, welches die Geißel Europa'S und unserer Zeit gewesen. —Es waren die Flüchtlinge in wenigen Wochen beinahe von deräußersten Grenze von Europa, aus der Mitte des europäischenRußlands zurückgeeilt bis beinahe an Deutschlands Grenzen,und die letzten Tage des welthistorischen Jahres führten nunLo, — Zo,ooo bejammernswürdige Unglückliche, mehrere hattensich nicht gerettet, über den Riemen auf preußischen Boden zurück— sie kehrten einzeln, von dem höchsten menschlichen Elende nie-dergedrückt, krank, in Lumpen gehüllt, in Verzagung dem Spotteihrer Feinde preisgegeben, zurück. Und eö verstummten alle Völkerdie es sahen und horten, anbetend die Vorsehung, es versöhntensich die Völker in ihrem gemeinsamen Fluche über den Einzelnen,dessen Eroberungssucht dieses beispiellose Elend über die Mensch-heit gebracht hatte.
Und der Eroberungskrieg war geendiget! Rußland wargerettet! . . «
Ich war in der Einleitung bemühet, dem Gedächtniß zurück-zurufen die kritische Lage des russischen Reiches, dessen Kaiserund Bewohner auf Religion und Vaterlandsliebe gestützt, den un-gleichen Kampf triumphirend bestanden haben; aber auch Tapfer-keit, Ausdauer und jene unermeßlichen Aufopferungen würdenRußland vielleicht nicht gerettet haben, hätte nicht der bis dahinoft bewunderte Staatsmann und Feldherr sich so vieler politischerund militärischer Mißgriffe schuldig gemacht, die für sich alleindem Kriegesheere deir Untergang bereiten mußten.
In politischer Rücksicht erscheinen als die vorzüglichsten Miß-griffe, daß er Schweden durch die Besitznahme von Schwedisch-Pommern für ihn so zur unrechten Zeit, gegen sich aufbrachte; an-statt diese Macht und den ihm befreundeten Kronprinzen durcheine engere Verbindung mittelst der Rückeroberung von Finnlandvielleicht selbst zur Theilnahme am Kriege gegen Rußland zu be-wegen; womit er eso bis sto,ooo Russen beschäftiget, und von sichselbst abgezogen hätte.
Wenn der Kaiser Napoleon den unerwarteten Frieden zwi-schen Rußland und der Türkei nicht hindern konnte, warum finger denn überhaupt diesen Krieg mit Rußland so zur unrechtenZeit an, während er in Spanien nicht allein vollkommen beschäf-tiget, sondern selbst im Nachtheile war, während Deutschland zwaräußerlich Gehorsam leistete, doch innerlich auf Mittel sann, diesenzu brechen- ,
Zn militärischer Rücksicht sing der Kaiser Napoleon offenbarden Feldzug viel zu spät an, wenn er sich vorgesetzt hatte, ihn bisüber den Dnieper noch vor Einbruch des Winters auszudehnen.Der Leichtsinn, mit welchem er unaufhaltsam vorwärts eilte, ohnedie Verpflegung durch Magazine und deren Transportwesen zu