Volk so einig sind — die große Liebe für den König und dasfeste Vertrauen auf ihn — und Heil dem Volke das mit derReligion sich stärkt, die feste Zuversicht auf Gott, sie schmolzenläuternd die Triebe des Gefühls alle zu einer gewaltigen religiösenKraft.
O wer diese schöne Zeit nicht gelebt hat im Vaterlande, derhat nichts großes und außerordentliches erlebt! — Es schleichenJahrhunderte langsam vorüber, voll gewöhnlichen Thun, und Trei-bens der Menschen, hat aber solch eine Begeisterung ein Volk er-griffen, dann tritt alles Handeln und Würken der Menschen ausder gewohnten Ordnung heraus.
Am iZ. März ward der Kaiser Alexander in Breslau er-wartet, der Augenblick des Wiedersehens wurde in dem DorfeSpahlitz unweit OelS erlebt, wohin der König seinem Gaste ent-gegen geeilet war. — Wohl mochte bei dem Rückblick auf dienächste Vergangenheit, in welcher auf die engste Freundschaft eineharte Trennung gefolgt war, und bei dem Geloben eines neuen,unverbrüchlichen Bundes für das Wohl der Völker, das Gemüthder Fürsten von manchen Empfindungen durchströmt werden; dasempfand auch das Volk, denn eö rauschte nicht im sinnlichenFreudentaumel, sondern mit heiterer Rührung brachte es den Für-sten seinen innigen Dank.
So erkannte es Preußen zuerst und allein, was Rußlanddurch seinen Muth, seine Ausdauer und die beispiellosen Aufopfe-rungen gethan hatte. Rußland wird es hoffentlich nie vergessen,was Preußen unternahm- als es sich von dem ganzen verbündetenEuropa losriß und in seine Arme warf, mehr auf sich selbst ver-trauend als auf die geschwächten Kräfte Rußlands, denn nochwaren die russischen Kricgsheere sehr schwach an Zahl. HättePreußen sich nicht für Rußland erklärt, so würde das russischeKriegsheer niemals weiter als bis zum Weichselstrom haben vor-rücken können; schnell würde der Kaiser Napoleon mit des ver-einigten Europas neugebildeten Militärkräften herbeigeeilt seyn,um den neuen Feldzug zu beginnen, und durch Erfahrungen be-lehrt, alle frühere Uebereilungen vermeidend, würde er Rußlandendlich gedemüthiget, vielleicht auch überwunden haben.
Als denn nun der Befreiungskrieg Preußens beginnen sollte,übergab der König, um mehr Einheit in die obere Leitung derStreitkräfte zu bringen, den Oberbefehl über sein Kriegsheer demFeldmarschall Fürsten Kutusow von Smolensk, dem würdigenFeldherrn der nun verbündeten Kriegsheere.
Vom 16. bis den 2ch März setzten sich hierauf von Breslauaus die preußischen Truppen unter dem Befehl des Generals derKavallerie von Blücher in Marsch nach der Elbe. Es warendiese Tage, Tage der Feier für das ganze Land; jedes Regimentoder Bataillon, an seiner Spitze die Blüthe der Zugend, die sichfreiwillig zur Vertheidigung des Vaterlandes gerüstet hatten,wurde unter freiem Himmel von Geistlichen eingesegnet — eineunermeßliche Menge Volkes, die Angehörigen und Verwandten,sprachen mit ihnen inbrünstige Gebete, und darauf zog das vater-