Am igten Mai.
Schon am Morgen um 7 Uhr trat der Feind zu den Waf-fen, und bildete mehrere Kolonnen; deshalb glaubten die Anfüh-rer des verbündeten Kriegsheeres, der Feind wolle die Stellungangreifen; es wurden ihm sogleich die Scharfschützen entgegen ge-schickt, darauf auch von beiden Seiten viel mit Geschütz gefeuert;doch blieb der Feind in seiner Stellung stehen, und das Gefechtendigte so nach einigen Stunden.
Da man erfahren, es rückten mehrere feindliche Kolonnen inder rechten Flanke des verbündeten Kriegsheeres Heran, so hatteman bereits den Entschluß gefaßt, diesen vor ihrer Vereinigungeinen Theil des verbündeten KriegSheereS entgegen zu schicken, umsie wo möglich einzeln zu schlagen — und deshalb wünschte man uMso mehr, sich von der Stärke des Feindes in der Stellung beiBautzen genau zu unterrichten, weshalb auf heute Nachmittageine Erkennung des Feindes angeordnet wurde. Das gesummteverbündete Kriegsherr trat unter die Waffen.
Die von dem kommandirenden Gen. Grafen Wittgenstein gege-bene Disposition lautete wie folgt:
„Wenn der Feind nicht angreift, so wird eine starke Recognos-cirung von unserer Seite vorgenommen werden. Heute um 2Uhr Nachmittags rückt die zweite Linie des Gen. Lssut. FürstenGotschakow des 2ten bis an die Stadt Bautzen vor; der Gen.der Infanterie Graf Milleradowitsch schickt einen Theil feinetKavallerie, Artillerie und Infanterie mit den Scharfschützenlängs dem linken Ufer der Spree hinauf, um den feindlichenrechten Flügel zu bedrohen, doch müssen sich diese Truppen inkein ernsthaftes Gefecht einlassen.
Der Gen. Lieut. Kleist läßt die leichte preußische Kavallerie unddie reitende Artillerie seines Corps bis an die Spree vorrücken-Der Gen. der Infanterie Barklay de Tolly laßt eine Truppen-abtheilung von allen Waffen, die sich bei Malschwitz befindet,über die Spree gehen, von wo selbige den feindlichen Posten,von Lobochau sich ihm nähernd, zurückdrängt, und sich hier vonder feindlichen Stärke, so wie von der, die sich hinter deBDorfe Salzförstgen befindet, zu überzeugen sucht.
Zu gleicher Zeit ist der Gen. Mas. Emanuel bemühet zu erfahren,ob sich nicht von feindlichen Truppen irgend ein Theil auf deinMarsche von Dresden über Bischofswerda nach Bautzen zeiget."'Gegeben im Hauptquartier Stcindörfel, den ig. Mai 18,3.
(gezeichnet) Graf Wittgenstein.
§6 begaben sich die beiden Monarchen von Würschen al>§nach Bautzen, wo selbige, nachdem sie die Position beritten hatten-sowohl von dem Thurme der Hauptkirche in der Stadt, so n>uspäter auch aus dem obern^ Stockwerke des Schlosses Ortenburg-die feindliche Stellung zu übersehen bemühet waren.
Die Erkennung des Feindes erfolgte auf die befohlene Weissnehmlich, daß der Feind in der Fronte beschäftiget wurde, wah-rend die Abtheilungen auf den beiden Flügeln vorrückten, um deFeind zu übersehen.