150
Der 71jährige Herzog von Braunschweig, geist-reich, gewandt, voller Kenntnisse und Kriegserfahrung, geübterTruppenfiihrer, voll persönlicher Tapferkeit und Ruhe im Augen-blick der Gefahr und mehr als irgend ein anderer preußischerGeneral in den Geist der neueren Kriegführung eingedrungen,würde durch alle diese Eigenschaften in gewöhnlichen Zeiten einsehr ausgezeichneter General gewesen sein, aber zum Oberfeldhermunter schwierigen, ja bedenklichen Umständen, fehlte ihm der frischeMuth und die stolze Gleichgültigkeit gegen das Unglück, so wiedas nothwendige Selbstvertrauen, wovon der letzte Rest in demunglücklichen Feldzuge von 1792 und in dem erfolglosen von 1793eben so sehr in ihm selbst geschwunden war, als das Vertrauender preußischen Armee zu diesem ihren Führer. Es gebrach demHerzog aber auch an der nöthigen Energie, eine große Verant-wortung auf sich zu nehmen und diejenige Autorität zu behaup-ten, welche dem Hauptquartier des Königs, und den ehrgeizigen,sehr selbstständig gestellten, ungehorsamen Unterbefehlshabern ge-genüber, erstes Erforderniß gewesen wäre, wenn nicht der Armee-befehl zum Verderben des Ganzen aufgelöst werden sollte. DerHerzog hatte zu viel Geist, um nicht die schwierigen Verhältnisse,unter denen der König ihm den Oberbefehl übertragen hatte, voll-ständig zu durchschauen; er erkannte auch offenbar sich ihnen nichtgewachsen, aber eben darum war ihm die Anwesenheit des Königsund so vieler Rathgeber willkommen, da sie ihm aller Verantwor-tung über den Ausgang des Krieges entheben konnte. Der Erfolgeines solchen Oberbefehls war vorauszusehen. Rücksichten nachoben und unten lähmten, Unmöglichkeiten erschwerten jeden Ent-schluß des Herzogs, und Ungehorsam machten am Ende das, wasnoch Gesundes übrig blieb, völlig unwirksam. Als nun trotzdieser unseligen Verhältnisse der Herzog dennoch das Glück hatte,das Schlachtfeld unter sehr günstigen Bedingungen zu erreichen,und er nun alle glänzenden militärischen Eigenschaften entfalten
um allen bedeutenden Militärs jener Zeit persönlich in Berührung zukommen, und zugleich die Gabe der Menschenkenntniß im hohen Gradebesaß.