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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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wenn er in seinem Geist des neuern Kriegssystems die Er-findung des Gleichschrittes dem Fürsten Leopold von Dessauzuschreibt.

Jeder Haufen Fußvolk, groß oder klein, hieß ein Ba-taillon Bataglia. Montecucculi nennt 1500 Mann starkeRegimenter, wenn sie in Schlachtordnung standen, Bataillone.Erst nach dem westphälischen Frieden wurde das Bataillonals taktische Einheit angenommen, und das Fußvolk nach sol-chen gezählt.

Die gevierten Haufen des Fußvolks, eine Stellung,welche von den Türkenkriegen herrührte, hießen Terzien, undwurden von den kaiserlichen Feldherren während des dreißig-jährigen Krieges beinahe ausschließlich mit Erfolg angewandt.Nach Bülow waren die Terzien, ein volles Viereck, dessenjede Seite die Wurzel des Quadrates der Summe des gan-zen Haufens war. Ohne Ertraction der Quadratwurzel,fährt er fort, konnte Tilly sich nicht beruhigen. Wie er dieseTerzien zu Wege brachte, wird uns nicht gemeldet. Wahr-scheinlich ist es nicht nach der kürzesten Methode geschehen,denn Tilly liebte das Umständliche. Die Musketiere, welchedie Hälfte der Compagnien ausmachten, wurden in vier Flügelgleich Windmühlen-Flügel an die vier Winkel deS Ouarreesgestellt, welches, wie gesagt, in der Kunstsprache eine Terziegenannt wurde. Andere Musketiere, zwei Mann hoch, um-gaben dieses volle Viereck, wahrscheinlich um die Piken un-schädlich zu machen.*)

Hoyer in seiner Geschichte der Kriegskunst **) giebt an,daß bei Breitenfeld das Fußvolk der Kaiserlichen nicht in ge-vierten Haufen, sondern 10 Mann hoch stand. So viel istgewiß, daß Tilly seine Terzien erst auf dem Schlachtfelde bil-dete. Die weitere Angabe bei Hoyer, wodurch der NameTerzie mit Regiment verdollmetscht wird, und darunter einen

*) Bülow. Gustav Adolf in Deutschland. II.

**) Hoyer. Geschichte der Kriegskunst, t. 461.