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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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Die Muskete*), welche die Arkebuse verdrängt hatte,schoß LVslöthige Kugeln und wurde mittelst eines Lunten-schlosses abgebrannt. Die Lunte, um gegen die Witterunggeschützt zu sein, befand sich in einem Luntenverberger vongelbem oder weißem Blech. Neben dieser Waffe führte derMusketier noch einen 3 Fuß langen Säbel. Als Schutzwaffchatte er eine eiserne Sturmhaube.

Die Pikeniere führten als Offensivwaffen eine 15 bis 16Fuß lange Pike, Partisane genannt, deren 2 Fuß langesEisen unten 4^ Zoll breit und auf beiden Seiten schneidendwar, und einen langen Degen. Als Schutzwaffen trugen sieein eisernes Bruststück, Armschienen, Blechschurz und eineSturmhaube.

Die geringe Brauchbarkeit der schwergerüsteten Pikeniere,bei Märschen, sonstigen raschen Bewegungen und im kleinenKriege, veranlaßte den großen König, den Abgang bei den-

*) Waffen zu schmieden, war zu dieser Zeit in Schweden eineArt Landgewerbe. Musketen, deren Anschaffung in den fremden Armeendamals noch so viel Schwierigkeit fand, wurden hier in Dörfern fast allerLandschaften von sogenannten Rohrschmieden verfertigt, Bauer» ausihren Höfen, deren Steuern sie mit dieser Arbeit zahlten. Uebrigens er-hielten sie den Arbeitslohn in Geld und Naturalien, sowie auch die Ma-terialien von der Krone, und standen unter gewissen Faktoren, nach einervom Könige unterschriebenen Ordnung.

Jeder Rohrschmied mußte gemäß dieser Ordnung 52 große Mustetenmit allem Zubehör liefern. Solcher Nohrschmiede geschieht in Ngland,Norrland, Finnland, den Thallanden, Westmanland, Nerike, Westergöth-land, Ostergöthland, SmLland Erwähnung, wie auch in diesem und inWermland der Harnischmacher. Doch verschrieb man auch ausländischeGewehre von Lübeck und den Niederlanden, wie 1623 durch Louis de Geer.

Diese Kunst ist vermuthlich von den Gewehrfabriken der Krone aus-gegangen. Als die ersten solcher unter Gustav Adolf werden die in Arbogaund FinspLng erwähnt, wo Musketen mit Schnellschlbffern, Pistolen, Har-nische, Klingen verfertigt wurden. Nachher kamen andere Fabriken inJönköping, NorrkLving, Söderhamm dazu. Zwar verordnete der Königauch, daß Nohrschmiede in die Städte ziehen sollten; allein man sieht,daß dem nicht nachgekommen wurde. Geiser III. 62.