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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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sten von Barern vorausseken, daß sein Land nun bald derSchauplatz eines verheerenden Krieges werden würde, und

geschichtlich und unzweifelhaft erwiesen sein. Wenn nun aber gezeigtwerden könnte, daß dem bisher nicht genau so war, so würde doch einer-seits die Kriegsgeschichte, andererseits Alles, was sich auf die bisherigenAnnahmen über die Art dieses Uebcrganges bezieht oder stützt, entwedereine sehr nützliche Berichtigung erleiden, oder es würden mindestens diebisherigen Erzählungen und daraus abgeleiteten Folgerungen als einerfernern kritischen Untersuchung sehr bedürftig erscheinen. Daneben er-hielten wir abermals die wichtige Lehre, anf welchen losen Grund dieSchilderung sehr vieler, selbst der wichtigsten kriegerischen Begebenheiten,begründet ist, und wie viele historische Beweise von Kriegsherren geführtwerden, welche, wenn wir die angezogenen Thatsachen genau kennten, wiePhantasie-Gebilde verschwinden würden.

Einen solchen Nachweis, daß mehrere Hauptnmstände, welche wirin den bisherigen Schilderungen über den genannten berühmten Fluß-übergang vorfinden, theils unrichtig, theils sehr unvollständig berichtetworden find, finden wir ln einem Aussatze des dritten Heftes von, Jahr-gange 1832 der Verhandlungen der schwedischen Kriegswiffenfchafts-Akade-mie, wo der Oberst C. Akrell hauptsächlich nach einer ur-kundlichen, im schwedischen Kriegs-Archiv befindlichenund mit einem Plane verbundenen Handschrift, der leiderdie Jahreszahl der Abfassung und die Unterschrift des Verfassers fehlt,die Beschreibung des LechübergangS Gustav Adolf liefert.

DiemehrstenSchriftsteller, wie Puffendorf, Chemnitz, Hart,Maurikow, Schiller, v. Grevenitz, geben an, daß der NebergangGustav Adolfs mitten vor dem feindliche» Lager geschehen sei, und er-wähnen keines Versuchs eines Uebergqnges auf einer andern Stelle,v. Lossau hegt in seinem neuesten Werke:Ideale der Kriegführung"dieselbe Anficht, und läßt nur die Cavallerie etwas stromaufwärts durchdie Furth den Fluß überschreiten. Neu Port, welcher als Augenzeugeden Hergang der Sache beschreibt, sagt zwar auch, daß der Uebergangmitten vor den Verschanzungen geschah, welche Ttlly zur Verhinderungdesselben hatte aufführen lassen, aber er fügt hinzu, der König habe ausseinem Lager, welches dem feindlichen gerade gegenüber lag, ein Corpsvon 2<XX) Mann nach dem Orte des Ucberganges marschiren lassen, dieseshabe sich dort verschanzt und den Uebergang durch 5 Batterien, in Summamit 18 Kanonen, gedeckt. Diese Erzählung deutet also darauf hin, daßder Uebergangspunkt eine Strecke von dem Lager entfernt war, und sich nichtvor seiner Mitte befand.