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Tilly sah mit Verzweiflung diesen Augenblick nahen,und beschloß, das Aeußerste zu wagen. Im Verein mit sei-nen höchsten Unterbefehlshabern stürzt er zu den Kämpfendcnnach dem Ufer, und mit Verachtung des Todes, den er demSchimpf einer neuen Niederlage vorzieht, trotzt er den größ-ten Gefahren. Sein Beispiel belebt den entwichenen Muthder Truppen, die alten Soldaten sammeln sich um ihn undder Kampf beginnt mit erneuerter Heftigkeit.
Mit unerschütterlicher Ruhe nahmen die Schweden die-sen verzweifelten Angriff auf, die Tapferkeit ersetzte die geringeZahl der auf dem beengten Schauplatz nur anwendbarenTruppen; nichts kann sie vermögen, auch nur einen Schrittzu welchen, die Gegenwart ihres Königs entflammt ihrenMuth und macht sie unüberwindlich.
Der Kampf hatte, mit gleicher Erbitterung und Hart-näckigkeit von beiden Seiten sechs Stunden gedauert, alsTilly, von einer Kanonenkugel tödtlich verwundet, fiel, undneben ihm der Nächstfolgende im Commando, der tapfereAltringer. Eine Menge anderer hoher Befehlshaber warschon früher gefallen. Der Feind verlor nunmehr den Muth,er begann zu wanken, die Unordnung war bald allgemeinund nur die beginnende Dunkelheit schützte die Fliehenden,welche sich in das Lager hinter die Verhaue warfen, undden verwundeten Tilly mit sich führten.
Solchergestalt war der eine Theil deö schwierigen Un-ternehmens ausgeführt, der Uebergang über den Lech bewirktund fester Fuß auf dem andern Ufer gefaßt; allein der Ein-bruch der Nacht hinderte den König, aus der Flucht deSFeindes weitem Vortheil zu ziehen und den Sieg zu verfol-gen. Er mußte sich daher begnügen, das eroberte Ufer mithinreichenden Streitkräften zu besetzen, und den Angriff desfeindlichen Lagers bis auf den morgenden Tag verschieben.
Zu diesem letztem Zweck bildete er eine Avantgardeaus den freiwilligen Musketieren aller Brigaden. Das Com-mando darüber gab er dem Obersten deö Leibregiments, Gra-