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fen Brahe, durch dessen Tapferkeit schon der Uebergang überden Rhein vorbereitet worden war, und der dafür mit derEhre belohnt werden sollte, der Armee den Weg in die baye-rischen Lander zu öffnen. Allein ein früh am Morgen aus-gesendetes Detachcment berichtete, daß der Feind das festeLager verlassen und sich zurückgezogen habe. In der Un-gewißheit, ob hinter dieser rückgängigen Bewegung nicht eineKriegslist verborgen wäre, ließ der König seine Truppen inSchlachtordnung aufstellen und befehligte 300 Mann Kavalle-rie und 800 Dragoner, unterstützt von zwei Brigaden In-fanterie, um den Wald hinter dem Lager und die Umgegendzu untersuchen.
ES war jedoch kein Feind zu sehen. Der UnfallTilly's hatte in seinen Heeren Schrecken und Mutlosigkeiterzeugt. Die zusammenhaltende Kraft war verloren und derrathlose Maximilian mit seiner ganzen Armee in der Nachtaufgebrochen, um hinter den Mauern von Jngolstadt und Re-gensburg vor einem Feinde Rettung zu finden, dem er imoffenen Felde nicht mehr entgegenzutreten wagte. Die schwe-dische Kavallerie, welche die Fliehenden verfolgte, konnte nurderen Nachtrab erreichen und einige Hundert Gefangene auf-bringen. Der Feind ließ in seinem Lager eine Menge vonWaffen, Rüstungen u. dgl. m. zurück, auf dem Schlachtfeldefand man von ihm mehr als 1000 Getödtete und machtedaselbst eine gleiche Anzahl Gefangene. Der Verlust derSchweden war bei weitem geringer.
An demselben Tage, den 6. April, ging die Masse derschwedischen Infanterie, und am folgenden Tage der Rest derKavallerie mit der Artillerie und dem Trosse über den Lech.Bei dem Durchmarsch durch das feindliche Lager besah GustavAdolph dasselbe, und verwundert, ohne Kampf Herr desselbenzu sein, rief er aus: „Wäre ich an Maximilians Stellegewesen, so hatte ich selbst Bart und Kinn durch eine Stück-kugel verlieren können, dennoch hätte ich diese feste Stellungnicht verlassen und nicht mein Land dem Feinde geöffnet."