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hatten; die Generale streiften von einem Ende Deutschlandsbis zum ankern.
Man hat bisher stets geglaubt, die Fähigkeit so ohneeigentliches Kriegsthcater und man kann sagen, so ohneStaat den Krieg zu führen, sei nur einer Zeit eigen, daman mit so kleinen Armeen auftrat. Dies ist zum Theilwahr; auch ist es wahr, daß der Mangel an Basts dieArmeen in ihren Operationen auf's Acußerste schwächte, sodaß sie kaum ihren eigenen elenden Körper fortschleppen konn-ten und genöthigt waren, auf jede positive Thätigkeit Ver-zicht zu thun. Allein die Armeen der damaligen Zeit, ob-gleich sie im Durchschnitt nur etwa ein Dritttheil so starkwaren, wie die unsrigcn, mögen doch nicht viel weniger ver-zehrt haben. Denn man denke nur an die Menge Kaval-lerie, die sie hatten, und die sich bei den Oesterreichern zurInfanterie gewöhnlich verhielt wie 1:1; an die Menge derPferde und Menschen bei der Kavallerie, da fast jeder ei-gentliche Reiter noch ein Handpferd und zu diesem Pferdeeinen Jungen hatte; an die Menge des Trosses, welchendiese Armeen oft mit sich führten und endlich daran, daß siekeineswegs gewohnt waren, Menschen und Vieh mit einer biszum Darben gesteigerten Oekonomie zu ernähren. — Wennaber auch alle diese Rücksichten jene von so vielen Schrift-stellern bis zum Ueberdruß wiederholte Bemerkung in ihrerganzen Stärke stehen ließen, so würde doch daraus weiternichts folgen, als daß die Armeen, wenn sie größer gewesenwären, noch unsteter gewesen sein würden; keineswegs aber,daß sie nicht hätten eristiren können. Freilich kann Nie-mand das Uebcrgewicht einer -Armee läugnen, die aus ge-sicherten Magazine» lebt, während die entgegenstehende ihrBrod suchen muß, wo die Natur es hingelegt hat; alleindas Uebergewicht dauert nur so lange, als dies Verhältnißdauert. Eine Armee aber, die keine Magazine hat, wirdden Krieg in ein solches Land zu spielen suchen, wo derFeind mit ihr in gleichem Fall ist. Es fragt sich, kann siedaö? — Sie kann eS nicht, wenn die Kriegstheater deö
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