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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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Gegners so liegen, daß sie schlechterdings jeden auf seinenStaat geführten Stoß auffangen; daß sie es aber deswe-gen nicht könne, weil sie ohne Magazin und Basis nir-gends hingehen dürfe, ohne von dem Hunger unmittelbar be-kämpft zu werden, ist ein Vorurtheil der Pedanterie. Wereinen Blick auf Deutschland wirft, sieht augenblicklich, wieviel Spielraum hier überall für die Invasion bleibt, da sowenig Festungen und so wenig militärische Organisation derGrenzen sich derselben entgegenstellen*).

Der schwedische Kriegsplan für das Jahr 1630 sollteentweder defensiv in Deutschland und offensiv in Preu-ßen oder umgekehrt geführt werden.

Für die Vertheidigung entwickelten der ReichskanzlerOrenstjerna und ein Theil der schwedischen NeichSräthe fol-gende Gründe:

1) Der Kaiser und die Ligue hätten eine Armeevon 150,000 Mann, womit sich gar nicht ver-gleichen ließe, was Schweden an Truppen auf-zubringen im Stande wäre.

2) Dem Kaiser stände keine Flotte zu Gebot, erkönne also die Schweden nur in dem von ihnenbesetzten Preußen angreifen, und hier wäre eSihnen leicht, sich daS Uebergewicht physischerKräfte zu sichern.

3) Deutschland, der Kriegsschauplatz im Fall einerOffensive, schiene durch Ferdinands Truppen schonan Kräften aller Art gänzlich erschöpft.

4) Die schwedische Nation würde sehr unzufriedendarüber sein, wenn man mit Polen blos des-wegen einen Vertrag geschloffen, um sogleich ei-nen neuen Krieg anzufangen.

5) Schweden sei durch die bisherigen Kriege ent-völkert.

6) Gustav Adolf könne in Deutschland keine Fort-

*) Clausewltz G. p. 103. 104. 105.