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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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Werbebuden umlagerte, jubelnd hindurchdringen. Aber dader Herzog von Friedland ein sehr großes, dem Feindedoppelt überlegenes Heer aufbringen wollte, reichte dieZahl der Freiwilligen lange nicht aus. HerrnloscS Ge-sinde! wurde besonders in den großem Städten überall'ergriffen, und mit Gewalt unter die Fahnen gesteckt.Auch fremde Länder mußten ihren Beitrag zu des Kai-sers Heer stellen. Auf Körpergröße sah Wallcnstein nicht,denn, sagte er, die Schwächlichen werden bald von selbstdaraufgehen, der gesunde Kern bleibt übrig. Andere, welchesonst keine Dienste genommen hätten, lockte der hohe Sold;denn nach GedaldoS Zeugniß boten wallensteinsche Haupt-leute einem guten Fußknecht 25 Thaler Handgeld. Terzky,deS Herzogs Schwager, und zugleich einer der reichstenGrundbesitzer in Böhmen, unterhandelte mit König StgiS-mund von Polen, wegen Anwerbung eines Haufens Ko-facken. Da es ihm an Geld nicht fehlte, brachte er bald3000 Pferde und 4000 Rekruten aus allen Nationen zu-sammen. Der Graf Merode wurde nach Flandern geschickt,und warb dort Wallonen und Croaten. Oberst Jsolani eiltenach Ungarn zu gleichem Zweck.

Uebrigenö kann man sich denken, daß, obwohl Wallen-stein mehrere Tonnen Goldes aus seinen Kassen gespendet,obwohl die Obersten große Summen Hergeschossen, dochall' dies bei Weitem nicht ausreichte zur Anwerbung undAusrüstung eines Heeres von 50,000 Mann. Außer-ordentliche und sehr hohe Steuern, welche keinen Stand ver-schonten, wurden in allen Erblanden erhoben. Schlesienallein lieferte die Summe für 28 Regimenter; das Landob der Ens ward mit monatlich 52,000 Gulden angelegt,was bald zu neuen Aufständen in dieser kaum beruhigtenProvinz Anlaß gab. Ein Landtagsschluß verfügte, daß imErzherzogtum Oesterreich von geistlichen und weltlichen Gil-ten 4 Schilling auf daS Pfund Heller gesteuert werden sollten.Jeder Gutsbesitzer mußte 40, jeder Pfarrer und Kaplan 4,Doktoren und Hofhandelsleute 30, Advokaten je 12, Bürger