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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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gehoben wurde, als die Bedürfnisse für das Heer gegen Be-zahlung von dorther meist bezogen wurden, und sonst rings-- um überall die größte Kricgsnvth herrschte, verschaffte er sichjenes materielle Uebergewicht über die übrigen Anführer vonSoldhecren seiner Zeit. Hierin dürfte Wallcnstein selbst vonNapoleon nicht übertreffen worden sein. Er war dem Kai-ser unentbehrlich, und auch die Söldner fanden bei ihm eher,als bei jedem andern Feldherrn ihre Rechnung, weil sie vonihm regelmäßige Bezahlung und in Zeiten der Noth eine Un-terstützung erwarten konnte», zu der jedem andern Anführerdie Mittel gefehlt haben würden. Deshalb, und weil derRuf seiner Freigebigkeit gegen seine Offiziere und seiner re-gen Sorgfalt für die Unterhaltömittel der Mannschaften odermit Einem Worte seiner Kricgskasse so begründet war, wurdeihm die Zusammenbringn»«) von zahlreichen Söldner-Schaarenin jeder beliebigen auch noch so kurzen Zeit möglich, wie erdenn z. B. als er im Jahre 1625 die Werbetrommel rührenließ, schon nach einem Monat 20,000 Mann beisammen hatte.Hauptleute führten ihm Kompagnien, Obersten ganze Regi-menter zu Fuß und zu Roß wohlbewaffnct und bekleidet zu,ja bis aus Polen zogen Kosaken, auö Ungarn Kroaten her-bei, um unter Wallensteins Fahnen zu dienen.

Aber wurde auch nur deshalb dem Wallenstein diesAlles möglich, weil von ihm ungleich mehr für den Unter-halt und die Verpflegung seiner Kriegslcutc gesorgt wurde,als dies von den übrigen Feldherrn seiner Zeit geschah, sohätte doch, wie bereits bemerkt, die abgedachte Zufuhr an Le-bensrnitteln und Bekleidungsgegenständen für die Masse desKriegS-Volks nicht hingereicht, und es diente daher diese Zu-fuhr mehr zu einer außergewöhnlichen Aushilfe der Verpfle-gung, als zum permanenten gewöhnlichen Verpflegungs-Modus.Vielmehr überließ Wallenstein die spezielle Sorge für dieVerpflegung hauptsächlich den Rcgimentö-Jnhabern, als Spe-Zial-Entreprcneurö ihrer Soldaten. Im Jahre 1627 solltennach Wallensteins Befehl die Soldaten nur das Quartiervon den Wirthen erhalten, hingegen für Beköstigung und