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Das Kriegswesen der Kaiserlichen und Schweden zur Zeit des dreissigjährigen Krieges : mit besonderer Rücksichtnahme auf Aufbringung, Ergänzung, Unterhalt und Kriegszucht der Truppen : nebst den Schlachten bei Breitenfeld und Lützen / bearbeitet und kritisch beleuchtet von J. Heilmann
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Fütterung selbst sorgen, wozu einem Fußknecht monatlich sie-ben, einem Reiter fünfzehn Gulden Löhnung von den Regi-ments-Jnhabcrn verabreicht werden sollten. Dem wurde indeßnicht nachgekommen. Wallenstein selbst sagt hierüber in einemSchreiben an den mit dem Oberbefehl beauftragten Oberstvon Arnim in demselben Jahre:Oft geschieht es, daß dieOffiziere daS Geld für die Soldaten, dafür sie sollen erhal-ten werden, empfangen, in den Beutel schieben, und einenWeg als den andern haben wollen, daß die Einwohner dieSoldaten in Essen, Trinken und Fütterung unterhalten sollen,welches unbillig und höchst sträflich ist."

Indeß wurden diese Anordnungen, so kräftig Wallen-stcin auch in einzelnen Fällen einschritt er suöpendirtedieserhalb sogar einige RegimentS-Jnhaber, die eS gar zu arggemacht hatten im Ganzen doch nur wenig beachtet.Einem jeden Negiments-Jnhaber waren diejenigen Bezirke an-gewiesen, aus denen er die Contributionen seiner Soldatenerheben durfte. Innerhalb dieses Bezirks konnte derselbeziemlich schalten und walten mit dem Gute der Einwohner,wie eS ihm gut dünkte. Nur wenn eine Stadt mit einerbestimmten Abgabe, wie z. B. Rostock im Jahre 1627 mit50,000 Rthlr. von der Einquartierung eines Regiments zuFuß und 1000 Pferden sich loskaufte, fiel der allgemeinenKriegskaffe eine Einnahme zu, über deren Verwendung derHerzog disponirte. Andere Städte kamen dann aber nichtso gut wie Rostock weg, denn sie konnten oft die Einquar-tierungen nur mit höchst enormen Summen von sich abwenden.

Die Gewaltthätigkeiten und Erpressungen, welche diekaiserlichen Truppen verübten, veranlaßten mehrere Fürsten,Klageschriften bei dem Kaiser deshalb einzureichen, was be-zweckte, daß Wallenstein seines GcneralatS enthoben wurde,und zwar gerade zu einer Zeit, in welcher dieser vortrefflicheGeneral am unentbehrlichsten war. Während seinem zweitenGeneralat erblicken wir dieselben Verhältnisse.

Die Ernährung und der Unterhalt der Wallenstein'schcilSchaare» war somit auf das ausgedehnteste Raub- und In-