392
dorf, bestieg den dortigen Thurm, um die Anstalten des Feindeszu überschauen, und nahm darauf sein Hauptquartier in Brei-tenlec.
Die Aufmerksamkeit deS Erzherzogs auf den alten Ueber«gangspunkt zu heften, Zeit zu gewinnen, um die Truppen zuvereinigen, Ansgänge zu erhalten, um dem Feind zu folgen, imFalle er das Lager aufhöbe u. s. f., mußte Napoleon seine Schein-anstalten vervielfältigen. Am Nachmittage des 1. Juli befahl erdie vom Feinde besetzte, sogenannte Mühleninsel zu nehmen, dorteine Batterie auszuwerfen und eine Brücke zu schlagen. An derSpitze des Vorsprungs von der Lobau gelegen und von der Ar-tillerie der öfter. Linie von Aspern bis Enzersdorf umfaßt, istdiese Insel von dein entgegengesetzten Ufer nur durch einen zudurchwatenden 15—20 Klafter breiten Arm getrennt. Der Kanalwar von französ. Seite durch eine mit Schießscharten verseheneBatterie bcstrichen. Die Generale der Artillerie und des Genie-wesenS, welche den Auftrag hatten, die Mittel zur Besetzung derInsel auszukundschaften, erklärten, daß cö den Augenblick un-möglich sey, und Bcrthicr nahm es auf sich, den ertheilten Befehlaufzuschieben.
Der Anschein, als solle das Leben der vorigen Tage, ohneandern Inhalt, als Sonnenbrand und Staubwolken, auf's Neuefortgehen, war da, weil am 1. Juli kein Angriff von Seite derFranzose» geschah; aber die Ruhe dauerte nicht lange. Die Be-festigungen der Lobau, die Herstellung und Sicherung der Haupt-brücken über den großen Arm der Donau, die Anlegung vielerVerbindungsbrücken zwischen der großen und den kleinen Inseln,die fortgesetzte Arbeit an Zimmcrwerk und Schiffen, die Anfuhrvon Geschützen und Pulverwägen, die Bewegungen der Trup-pen, die von der obern und untern Donau sich hierher zogen,der wirklich erfolgte Angriff der Mühleninsel, alles deutete aufirgend ein großes Unternehmen Napoleon's, wenn man auch vonseinen Absichten keine zuverlässige Kcnmniß, nur unsichere Ver-muthungen hatte. In dem öfter. Hauptquartier nahm man an,Napoleon zeige auf der Lobau nur so große Thätigkeit, um dannunerwartet auch von andern Punkten her über den Fluß setzen zukönnen. Wenn man nach dein Grunde forscht, welcher diesenGedanken so feste Wurzeln schlagen ließ, so findet man keinenandern, als den, daß man Napoleon für zu einsichtsvoll hielt,