79
werden. Zu weit in ihren Unternehmungen vorgeschritten, hieltensie Schonung für unmöglich, trauten daher keinen wohlmeinendenVorstellungen, und hielten Unterwerfung für unausbleiblichenRuin.
Am 27. Juli brach der Marschall Lefebvre mit den Divi-sionen Rouyer und Raglovich von Salzburg auf. Zuvor wurdenin Salzburg alle Kranke, alle Regimentscassen und Bagage-Wagen, mit Ausnahme der Medizinwagen, zurückgelassen, Brodso wie Fourage auf vier, Fleisch auf zwei Tage gefaßt, und dieLöhnung auf einen halben Monat ausgezahlt. Die Colonne zogauf der Straße von Neichenhall auf den Strub-Paß zu. Ausden Zimmerleuten der ganzen Colonne war ein Schanzercorpsunter den Befehlen des bayr. Jngenieurhauptmanns Becker for-mirt worden, welches mit einer Compagnie französ. Sappeursvoranzog, um Verhaue auszuwerfen und abgebrochene Brückenherzustellen.
Major Theobald, welcher bisher den schwierigsten Postenin Berchtesgaden versehen, mußte mit 2 Compagnien des 3.bayr. leichten Bataillons dieses Corps schützen. Auf Befehl desMarschalls bildete das Regiment der Herzoge von Sachsen dieVorhut, und dessen Spitze das leichte Bataillon von Weimarund Hildburghausen. Dann folgten die beiden übrigen Regi-menter der Division Rouyer, und den Schluß machte die Divi-sion Raglovich, der noch anderthalb Batterien der Division Deroizugeordnet waren. Die Bayern dieser Colonne führten somit30 Geschütze mit sich. Nach einem über Reichenhall, so wie demvon den Einwohnern verlassenen Ort Loser zurückgelegten Marschekamen die Divisionen Rouyer und Raglovich vor dem wichtigen,den Eingang nach Tirol auf der Hauptstraße von Salzburg ver-theidigenden Strub-Paß an.
Da nun dieser, als ein wahres Bollwerk Tirols anzusehendeEngpaß, dessen bloß Wagenbreite Passage durch ein fest verram-meltes Thor vollkommen geschlossen, an welchem rechts die hartvordeifließende reissende Salza, an deren jenseitigem Ufer schroffeunzugängliche Felsenwände herantreten, so wie links durch einenstarken viereckigen Thurm, an welchen sich weit ausdehnende steilemit Pallisaden und Verhauen versehene Gebirgslehnen anschlössen,hinlänglich geschützt wurde, von dem Tiroler Anführer im Land-gerichte Kitzbühel, Nuppert Wintersteller, mit 300 Tirolerschützen