Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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Wenn Lcfebvre rasch den abziehenden Oesterreichern nachfolgte,so daß seine Vorhut immer mit ihrem Nachtrabe zusammentraf,so nahm er unblutig diese Paffe; allein nebst dem versäumte erauch, die feste Stellung am Brenner durch das Obcr-JnnthalUnd den Vintschgau im Rücken zu nehmen, verlor überhaupt einekostbare, unersetzbare Zeit, die das anfangs bestürzte Volk vomersten Schrecken wieder erholen ließ. ES bedurfte nur einesRufes entschlossener Anführer, und der Aufstand schlug im ganzenLande mit lichten Flammen hervor» Und bald erscholl auch dieserRuf zu den Waffen! Zn Briren, im Hause des KreuzwirthesMartin Schenk, wurde nach einer feierlichen Prozession zu Ehrendes heil. Cassianus der Bund zur dritten Befreiung Tirols ge-schloffen.

Jetzt loderte der Patriotismus der Tiroler hell auf. Bishervon ihrem gewohnten Schutzhcrrn angefeuert und unterstützt, hattensie sowohl für Oesterreich, als auch für ihre eigenen Freiheitengefochten. Treue und Ergebenheit gegen ihr Herrscherhaus hattesich zu ihrem Patriotismus gesellt, und die Vorstellung einesfreien Tirols war eins mit der Untcrthänigkeit gegen Oestereich.Jetzt gewannen die Dinge aber ein verändertes Ansehen. VonOesterreich aufgegeben, beschlossen sie, sich selber treu zu bleiben.„Für Oesterreichs Recht haben wir gefochten," sagten entschlosseneBläun er, „wir wolle» nün für unser eigenes streiten."

Nach dem siegreichen Treffen am Berge Jsel, im Mai, warder Kapuziner Pater Joachim Haspinger in sein Kloster zurück-gekehrt, nach Seben, einem in Tirols Geschichte klassischen Punkte,dem uralten, nach Briren übergetragenen Bischofssitz, auf einemsenkrecht steilen Felsen, über die Heerstraße und das StädtchenKlausen hervorragend. — In diesen Tagen des großen Zerwürf-nisses und der Noth kam die ganze Umgegend des Eisackthalcs,berathschlagte mit dem Kapuziner, darin stieg er in das Landhinab und kam den 2. August nach Briren. Das Wirthshauszum Kreuz daselbst sollte ein neues Nütli seyn, wo einige Män-ner die Herzen und Hände zusammenflochten, Tirol noch einmalvom Feinde loszuschlagen. Diese Männer waren: Martin Schenk,Kreuzwirth zu Briren, ein Vertrauter von Sandwirth Hofer, einjunger, gedrungen kraftvoller Mann, von größter Entschlossenheit,rastlos thätig bei Tag und Nacht, fröhlich und lebensfroh, weit

Schneidawind/ III. Bd. 9