Band 
[Zweiter und dritter Band.]
Seite
144
JPEG-Download
 

drängnisse, und jeden, selbst den Verwundeten, Kranken und Er-matteten, ließ der Gedanke, beim Zurückbleiben in die Händedieser wüthenden Volkshaufen zu fallen ihre letzten Kräfte zu-sammenraffen. Obgleich nun auf dem fortgesetzten Rückzüge dieTruppen Egloffstcin'S sich durch die Tiroler von den nahe andie Straße herantretenden Gebirgslehnen stets heftig beschossen,immer umgangen, unaufhörlich verfolgt sahen, so schlugen siesich doch, nachdem sie noch zwischen den Dörfern Mauls undTrens auf eine kleine Anzahl Wagen gestoßen waren, welcheam Morgen dieses Tages der gothaische Major Knauth vonStcrzing nach Ober Au mit Lcbensmitieln abgesendet hatte, aberden Tirolern in die Hände gefallen waren, bis an das alteBergschwß Sprechcnstein vor, von wo auch noch ein einzelnerTirolerschütze die Colonne unausgesetzt beschoß, mehrere Leuteverwundete, jedoch nebst seiner Frau durch eine Schleichpatrouilleendlich gefangen genommen wurde.

Der indessen mit mehr als 3000 Mann in Sterzing rastendeGeneral Nouper, zu welchem außerdem noch vom Brenner derOberst Wittgenstein mit 1 Escadron Dragoner und dem leichtenInfanterie-Bataillon Habermann gestoßen war, hatte sich daraufbeschränkt, als er das ihm nahende Gefecht hörte, den bayer.Obersten Wittgenstein mit einer Abtheilung Reiterei, 2 Kanonender Batterie Vandouve und dem Bataillon Anhalt dem auf derStraße anrückenden Obersten Egloffstcin entgegenzuseuden, indessen2 Compagnien des bayer. leichten Infanterie-Bataillons. Nr. 1.oder Habermann, unter Major Fick die Insurgenten beim PunkteSprechenstein links im Gebirge umgingen, wodurch die Tirolersich so unerwartet im Rücken gefaßt und gleichzeitig durch das Ba-taillon von Anhalt mit solcher Entschlossenheit und Nachdruck inder Fronte angegriffen sahen, daß sie unter hartnäckigem Kampfe,auf allen Punkten und bis hinter Mauls zurückwichen. Witt-genstein nahm auch dieses Dorf, und kehrte dann Abends wiedernach Stcrzing zurück, wohin ihm Egloffstcin vorangezogen war.Die fast unbezwinglichcn Schwierigkeiten, verbunden mit demgroßen Verluste der Division, und der Umstand, daß die Aus-führung eines Vordringens bis Ober-Au wohl unmöglich odermit zu großen Opfern verknüpft seyn dürfte, bewogen indessenden General Nouyer der dringendsten Bitten Egloffstein's unge-achtet, die in Ober-Au befindlichen Sachsen sich selbst zu überlassen.