Band 
[Zweiter und dritter Band.]
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lieferten. In England herrschte wohl viele Theilnahme für dieTiroler, allein es kam von dorther keine Unterstützung.

Hofer hatte das Zutrauen seiner Landsleute, weil er i» sei-nem Charakter durchgängig die Bauernnatur ausfprach. Vorzüg-lich war es auch sein religiöser Sinn, welcher mit zauberischerKraft auf die Masse wirkte. „Vertraut auf Gott, er verläßtuns nicht, und wehret euch standhaft," war auch der Hauptinhaltder Tagsbefehle Hofers. Welche Versuche man auch machte,durch Parlamentärs das Volk zur Ruhe zu bringen, sie scheitertenalle an diesem übermenschlichen Glauben an ihn. „Wir sindnur schlechte Leute, Frieden wünschen wir alle, aber unsere Postenkönnen wir nicht verlassen, denn der Oberkommandant hat esbefohlen," war einstimmig immer die Antwort.

Ungeachtet Hofer in seiner öffentlichen Stellung beinahe dieMacht eines altrömischen Dictators ausüben konnte, behielt er inseinem individuellen Leben und Benehmen die Einfachheit desPasseprer Landmannes bei. Fortwährend wurde er mit Ander!angeredet, und im Verkehr mit andern verlangte und erhielt er nieeine Auszeichnung. Seine Tafel war so einfach besetzt, daß ihreKosten sich nicht über einen Gulden täglich belaufen haben sollen.Seine regelmäßigen Andachten durften durch Nichts gestört wer-den, und man erzählt sich, daß wenn die Zeit seines Abendgebetesgekommen war, er zu seinen etwaigen Gästen beim Abendessenzu sagen pflegte: „wir haben zusammen gegessen, wir wollenauch zusammen beten."

In jener Zeit überschätzte sich aber doch der Tir.oler Land-mann. Wer ungestört leben wollte, mußte sich so viel als mög-lich dem Bauer nähern; Städter und Herr oder Spitzbube warbei den Landleuten gleicher Verfolgung ausgesetzt. An öffent-lichen Orten, sogar in der Kirche zwickten die BauernmädchenFrauenzimmer von Stande in die Arme, oder schnitten ihnen dieHaare ab, wenn sie etwa nicht nach ihrem Schnitte und Ge-fallen waren. Die Schätzung seines politischen Werthes glaubteein Bauer dem Wafferbauinspector zu Schwatz, der ein gebornerTiroler war, nicht besser in seiner Sprache als auf folgende Artausdrücken zu können: „Woiß't was, der König zahlt dih jetztnet mehr, wir zahle dih, und weißt' nu was, du bist 'n Schwanzwie 'n ih."