127
Erwägt man nun, daß der KriegSstand etwas schnell herge-stellt worden, daß ein bedeutender Theil des Heeres im Lande blei-ben mußte, öffentlich zu Wahrung der Festungen, der großenStädte, Heranbildung der Reserven, im Sinne deS Königs aberwohl auch zu Niederhaltung aller weiteren revolutionären, beson-ders republikanischen Gelüste, so wird es keinem Kundigen auffal-len, wenn wir den Effectivbestand des über den Tesstn rückendenHeeres auf höchstens 40000 Mann berechnen, welchem später freilichmanche Verstärkung zufloß.
Dieses Heer war in 2 Armeecorps zu je 2 Divisionen getheilt.Das erste Armeecorps befehligte der Generallieutenant Bava, daszweite der Generallieutenant di Sonnaz. Eine eigene Reserve-diviston stand unter den Befehlen des Herzogs von Savoyen, und denunmittelbaren Oberbefehl über das Ganze führte der König selbst.
Schwach erscheint dieses Heer der österreichischen Macht gegen-über, aber grundlos schien des Königs Zuversicht keineswegs, daßdie beiderseitigen Zahlenverhältnisse bald sehr zu seinen Gunsten sichändern müßten. Alle Hülfsmittel seines Landes lagen so nahe undder Zuzug zu dem kaiserlichen Heere mußte aus fernen Provinzenerfolgen. Der ganze italienische Bund sollte mit Heeren und Frei-schärlern ihm zu Gebote stehen, sein Heer stündlich vermehren. Errückte in einem befreundeten Lande vor, wo Alles ihm helfen undseine Pläne fördern mußte; der Feldmarschall Oesterreichs bewegtesich durch ein Gebiet des Anfstandes, wo bei jedem Schritte neueFeinde und Hindernisse drohten, jeder Bissen Brodes erzwungenwerden mußte, jede Ergänzung für den Augenblick beinahe unmög-lich war. Zu dem Allen kam noch, was der König sehr wohlwußte, daß sämmtliche Regimenter Eingeborener im österreichischenHeere durch Agenten, Versprechungen und sogar im Beichtstühle sovielseitig bearbeitet worden, daß ein allgemeiner Abfall derselbenauf die Seite des Vaterlandes um so wahrscheinlicher war, alsgleich in den ersten Tagen mehre Schaaren sich für Italiens Sacheerklärt hatten.
Die Folge belehrte jedoch, wie sehr sich der König in mehrendieser Berechnungen und Hoffnungen getäuscht hatte, theils weiler selbst der großen Aufgabe in keiner Weise sich gewachsen zeigte,theils weil ganz Italien für dergleichen Dinge »och nicht gehörigherangereift war.
Üeberblicken wir nun, was an eigentlicher Heeresmacht der ita-lienischen Ligue allenfalls zu Gebote stehen, im Laufe Aprils in Be-wegung nach dem Po begriffen, theilweise dort schon eingetroffensein konnte.
Parma hatte 1 Bataillon Infanterie von . . 1000 Mann.
2 Schwadronen Dragoner von . 200 „
^ Compagnie Kanoniere von . . 75 „