II.
Flechten.
Capitel 8.
Der Thallus der Flechten.
Der Körper der Flechten besieht im ausgebildeten Zustande aus einem meiststattlich entwickelten Vegetationsorgane, Thallus, F lech len la ger (BlnstemaWallrath), welches Fructificationsorgane — meist in reichlicher Menge — tragt,die denen der Ascomyceten genau entsprechen : Apothecien, d. h. Sporen-lager mit Ascis, Spe rmogonien, und in einzelnen Fällen auch Pycniden.
\on dem Thallus, der hier zuerst besprochen werden soll, unterscheidetman der äusseren Gestalt nach drei, übrigens gar nicht scharf gesonderteHauptformen : den strauchartigen (Th. fruticulosus, filamentosus, Ihamnodes)aus schmaler Basis von dem Substrat sich erhebend, einfach oder meist strauch-ähnlich verästelt; den lau bärtigen (Th. foliaceus, frondosus, placodes), von derForm eines flachen, blattartigen, meist gelappten und krausen Körpers, Uber dieOberfläche des Substrats ausgebreitet, diesem aber nur an einer oder an zer-streuten Stellen angewachsen, daher mit geringer Verletzung abtrennbar; undden krustenartigen (Th. crustac.eus, hpodes), Uber das Substrat flach aus-gebreitet, und diesem mit der ganzen Unlerlläche überall fest aufgewachsen, alseine unverletzt nicht trennbare Kruste. Eigentümlich verhalten sich die Ge-nera Cladonia und Stereocaulon, bei denen sich von schuppenförmigen oder kör-nigen, laubartigen Körpern (dem Thallus oder Prolothallus der Liehenographen),strauchartige Bildungen (Podetien) erheben.
Der Bau des Fleehtenlhalius stimmt mit dem der Pilze darin überein, dassderselbe meistens der Hauptmasse nach aus gesetzmässig verbundenen und ver-flochtenen ästigen Zellreihen mit farblosem Inhalte, Hyphen, Fäden, Fasern,gebildet wird, von denen jede einzelne wie dort ein bis zu gewissem Grade selb-ständiges Wachsthum besitzt. Wie bei den Pilzen bilden dieselben miteinanderentweder ein deutliches Fasergeflecht oder ein Pseudoparenchym, in dem aufSeite 2 bezeichnten Sinne des Wortes. Schon Schleiden (Gsundz. II.) undSchacht (Pflanzenzelle) haben dieses angedeutet, Speerschneider und vor allenSehwendener haben es bestimmt nachgewiesen.
Zu den Hyphen kommt in dem Flechlenthallus eine zweite Art von Form-
Handbuch d. physiol. Botanik. II. 16