80 Erste Abtheilung. Zweiter Abschnitt.
abgelöst. Nach einigen Ausfallen wurde am 10. April einWaffenstillstand geschloffen, und am 18. wehte die weißeFahne auf den Wällen von Strasburg. 1815 war der Ge-neral Rapp von Napoleon zum Oberbefehlshaber im Elsaß er-nannt, und nach einigen Gefechten auf die Vertheidigung vonStrasburg beschränkt, wo ihn der österreichische General derCavallerie von Hohenzollern eingeschlossen hielt. Nach einemWaffenstillstand, welcher am 22. Juli zu Stande kam, warendie übrigen Festungen im Elsaß mit eingeschlossen, die Com-mandanten leisteten aber dem General Napp keinen Gehor-sam. In Strasburg selbst war wegen rückständigen Soldesein Aufruhr unter der Garnison ausgebrochen, die Rückkehrdes Königs aber führte auch auf diesem Punkte bald Ruheund Ordnung zurück. Die Entfernung von Strasburg nachParis betragt 02 alte Lieues oder 464 Kilom. oder 46 Mi-riameter.
Das dieser Stadt gegenüber liegende, am rechten Uferdes Rheins erbaute Kehl, ist vermöge Traktaten gänzlich ge-schleift. Acht Lieues südlich von Strasburg und drei Lieuesvom Rhein entfernt liegt die Festung Schlettstadt oderSchelestadt, welche in den vierten Rang der festen Plätze ge-hört, an einem Kanal, der die Jll mit dem Rhein verbindet,sie ist mit acht Bastionen, sechs halben Monden und mehre-ren Außcnwerken befestigt und mit einem tiefen gefüllten Gra-ben umschlossen. Dieser Ort ist wohlgebaut, hat 1250 Häu-ser, 7474 Einwohner, viele Fabriken, Salpeter- und Potasch-siedereicn, und ist sehr alt. Karl der Große und Karl derDicke hatten schon Paläste hier. Sie kam mit Strasburgzugleich in französische Hände, nachdem sie schon früher dieTruppen Ludwig XIV belagert und erobert hatten. DieserMonarch ließ 1677 alle Werke niederreißen, als die Stadtaber sein Eigenthum wurde, befestigte er sie von neuem undfügte verschiedene Werke hinzu. 1814 wurde sie durch eineBrigade baierscher Truppen eingeschlossen, aber nicht förmlichbelagert. 1815 vertheidigte der alte General St. Su-zanne diese Festung mit jugendlicher Thätigkeit. Es ist eine