Buch 
Frankreich als Militairstaat unter Ludwig XVIII zehn Jahre nach dem Pariser Frieden / von Leopold von Zedlitz
Entstehung
Seite
102
JPEG-Download
 

102 Erste Abtheilung. Zweiter Abschnitt.

kirchlichen Sachen stehen die katholischen Bewohner, unter deinWeihbischof von Bayonne, die Reformirten unter dem Consisto-rium zu Orthez. In weltlichen Angelegenheiten ist der königl.Hofzu Pau ihre richterliche und die Prafectur daselbst ihre Verwal-tungsbehörde. Die Kosten der letztem nach den amtlichen Be-richten belaufen sich jährlich auf 50,000 Franken, und der Ge-halt des Prafecten auf 40,000 Franken. Die zwei Volksstam-me, welche das Departement bewohnen, die Basquen und dieBearner sind sich trotz der nahen Nachbarschaft fremd geblie-ben und ihre physischen und moralischen Formen sind sehrverschieden. Die Basquen, die Bewohner des westlichen Theils,sind ein edles treuherziges Volk, dem Verstellung und Ver-rath fremd sind, fromm und sanft wenn man sich mit Freund-schaft ihnen naht, aber tapfer und unbeugsam gegen die Ge-walt ihrer Feinde. Die Natur hat sie mit hohem Wuchsund kräftigem Körperbau ausgestattet, und scheint diese Söhnedes Gebirges zum Kriegsdienst geboren zu haben, sie sindtreffliche Schützenjäger des Jsards, der behendesten aller Gem-senarten. In der Brust die Leidenschaft für Unabhängigkeitund die Vorliebe zur Auszeichnung, bildeten sie in den Zei-ten der Gefahr treffliche Jägercorps. In den Feldzügen von1793 bis 1795 waren sie unter Moncey, Harispe la Mar-que Victoir und Mauco das Schrecken der Feinde. Der Haßgegen die Spanier, in ihrem Gemüth durch Gränzzwistigkei-ten in früherer Zeit erzeugt, so wie ihre genauen Kenntnissealler Gebirgspforten und Engpässe machten sie zur trefflichenVorhut des Heeres. H. Fargues, damaliger Maire von St.Picd de Port und später Mitglied des Raths der 500, kamzuerst auf den Gedanken, ein Corps Basquenjäger zu errich-ten und schon im Monat April 1793 versahen zehn schöneCompagnien aus diesem Volksstamme, den Dienst auf derVorpostcnkette des französischen Heeres- Es lag im Geisteder damaligen Zeit sie keiner strengen Mannszucht zu unter-werfen, aus Furcht ihren Eifer für den Dienst des neuenFreistaats zu schwachen, auch ließ man sie ihre bundscheckigeNationaltracht beibehalten; das bizarre derselben und das gcl-