104 Erste Abtheilung. Zweiter Abschnitt.
Annahme politischer Ansichten und mit der Einmischung indie Veränderungen und Weltbegebenheiten schwand auch hierdie patriarchalische Einfachheit der Sitten. In den letztenJahren war es sogar ein Mode - und Luxusartikel der vor-nehmen pariser Welt, ihr Gefolge mit einem schlanken Bas-quen zu vermehren, und selbst die geistreiche Lady Morgan,welche uns mit Memoiren über Frankreich beschenkt hat, haltes nicht unter ihrer Würde, einzugestchn, daß der Anblickeines solchen jungen Basquen ihre Aufmerksamkeit auf eineganz besondere Weise in Anspruch nahnz *). Daß die phy-sischen und moralischen Formen der nach einem mehrjährigenAufenthalt in der Hauptstadt, in ihre vaterländischen Gebirgezurückkehrenden Basquen, rein geblieben seyn sollten, ist ebenso unwahrscheinlich, als daß sich ihre Sitten nicht werdenmit den der zurückgebliebenen vermischen, und leicht ist darausdie Folgerung zu ziehen, daß jene idyllische Einfachheit baldauch aus den entferntesten Thälern des Hochgebirges ver-schwinden wird. Den östlichen und nördlichen Theil des De-partements bewohnen die Bearner, sie sind von schwächcrmKörperbau als ihre Nachbarn die Basquen, aber ihre Ge-sichtszüge sind geistreich und voller Leben, ihre Kleidung isteinfach, und nur ihre Kopfbedeckung, eine Art Barett, ist na-tional. Man wirft diesem Volke von alten Zeiten her vor,daß es schlau, mißtrauisch, reizbar, rachsüchtig, ja oft unver-söhnlich sey, wahrend man auf einzelne unter ihnen stößt,welche die Fehler ihrer Landsleute nicht theilen und dabeigastfrei und edeldcnkcnd sind. Ihre Landessprache ist eineMundart, welche, wie alle südliche Patois ausdrucksvoll undrein, sich zur Musik und Poesie eignet. Die Vornehmenziehn sie oft der reinen französischen Sprache vor, um sichbeim Volke beliebt zu machen. Die niedern Stände leben inimmerwährender Thätigkeit, und selbst ihre Vergnügungen, diemehrcntheils in Leibesübungen bestehen, haben einen Anstrich
*) Reise der Lady Morgan durch Frankreich 1. Bd. Seite 73.