304 Dritte Abtheilung. Erster Abschnitt.
alle Vertheidigungsmittel erschöpft waren, und Hunger undNervenfieber taufende seiner Soldaten und einen Theil derBevölkerung Dresdens selbst aufgerieben hatten, entschloß ersich die Stadt unter der Bedingung eines freien Abzuges nachFrankreich zu räumen. Lange weigerte sich der österreichischeFeldherr diesen Vorschlag anzunehmen, endlich willigte erdarein und am 11. Nov. wurde zur Freude des hart be-drängten Dresdens die Capitulation gegenseitig unterzeichnet,und der Marschall verließ mit 12 Divisions- und 20 Briga-degenerals, 1760 Officieren und 34,000 Unterofsicieren undGemeinen, welche das Gewehr vor den Siegern strecken muß-ten, die Hauptstadt Sachsens. Der commandirende General-fcldmarschall Schwarzenbcrg, fand sich veranlaßt die von demGrafen Klcnau geschlossene Capitulation nicht zu genehmigen,und ein österreichischer General erhielt den Auftrag, dem schonbis nach Altenburg gelangten französischen Feldherrn dieseEröffnung zu machen und ihn zugleich von Seiten des Ge-neral Klenau zu benachrichtigen, wie ihm der Befehl zuge-kommen sey, die Garnison in alle Vertheidigungsmittel zurück-zusetzen, ganz so wie sie es am Tage vor der Capitulationwar. Der Marschall verwarf mit Unwillen, aber mit Würdediesen Antrag, und erklärte sich unter diesen Umständen mitallen seinen Truppen kriegsgefange». Dieser Unfall, herbeige-führt von den Zeitumständen, mußte allerdings schmerzhaftfür den Feldherrn seyn, ohne daß er im Stande war einenSchatten auf seinen Kriegsruhm zu werfen. Der König hatdem Grafen Gouvion St. Cyr durch die ihm anvertrautenwichtigen Posten Beweise großer Achtung gegeben, die unterallen Verhältnissen durch das Betragen dieses Marschalls aufdas glänzendste gerechtfertigt worden ist.