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Leben und Charakterzüge Leonhard Usteri's : weiland Professor's der Theologie und Chorherr'n der Stift zum Grossenmünster : zum dankbaren Andenken der vor fünfzig Jahren von ihm gestifteten Zürcherschen Töchterschule / [von der Gesellschaft auf der Chorherrenstube]
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22
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»reine Schuld ist das eine oder andre'Gute, das durch die Töchterschule hätte gestiftet wer-»den können, zurückgeblieben, das eine und andre Uebel, wo nicht entstanden, doch größer

»geworden" u> s. w.-Wahrlich eine treffliche, ganz charakteristische Stelle, die uns tiefe

Blicke thun läßt in diese schöne weibliche Seele.

Doch die höchste und seligste seiner Lebensfreuden, gleichsam der Triumph seines edeln Wirkensfür Jugendbildung und Menschenwohl, war unserm Usteri im Jahr 1789, kurz vor seinem Hin.schied noch aufbehalten, als er nähmlich über die nun bereits 15 Jahre bestehende, und durchzwei, unter vortrefflichen von ihr selbst der würdigen Goßweiler gebildeten Schülerinnen stehendenUnter-Classen erweiterte Töchterschule, in der damahls schon über 500 Töchter ihre Bildung erhal-ten hatten, den großmüthigen Gönnern und Wohlthätern derselben die frohe Anzeige thun konnte,daß diese Anstalt durch die von Jahr zu Jahr sich mehrenden Beyträge edeldenkcnder Menschen-und Vaterlands- und Jugendfreunde, besonders durch ein ansehnliches Vermächtniß BodmerS desehrwürdigen Greisen, nunmehr zu solchen Kräften erwachsen sey, daß sie künftig durch sich selbstbestehen und fortdauern, und der Aufwand, den ihre dermahlige Lage und Ausdehnung fordre,ohne'frcmde Zuschüsse, durch ihre eignen Interessen bestritten werden könne. Und da wird ihmwarm «ms Herz dem edeln Manne, da spricht er mit dem Hochgefühle der glücklich vollendetenschönsten That seines Lebens, und zugleich mit einer Bescheidenheit, die den wahrhaft großen Mannuns bezeichnet, seine Dankempfindungen gegen die edelmüthigcn Gönner und Freunde dieser Anstaltaus. Laßt mich seine Worte hier aushebert (denn ach es waren seine lehren, sozusagen seinSchwancngesang). »Wie der Wandrer von der Höhe, die ihm die schönste AnSsicht eröffnet, sein»Auge auf alle Seilen wendet, und sich dem vollen Genuß des herrlichen Anblicks überläßt, der„seine ganze Seele mit dem Gefühle von Wonne erfüllt; aber dann auch nicht ohne eine frohe»Empfindung von Zufriedenheit und Ruhe auf die niedrige Gegend herabsieht, über welche er sich»erheben mußte, um diesen Anblick zu genießen, und die Pfade bemerkt, durch welche er hinauf»zu der Wonnevollen Höhe sich nicht ohne Mühe und Arbeit erhoben, wo die Natur einen so»prächtigen Anblick vor ihm verbreitet; eben so sehn wir mit hoher Wonne zurück auf den men-schenfreundlichen Vorschlag, den wir vor 15 Jahren an unsre Mitbürger gethan, und das bescheidne»Ansuchen um einzelne hundert französische Thaler, und bemerken mit inniger Zufriedenheit die»Stufen alle, die uns in dieser kurzen Zeit dem letzten Ziele unsrer Wünsche zugeführt, unsern»wohlgemeinten Vorschlag zu einer der nützlichsten Anstalten für die Jugend gemacht, und ihr ein»Vermögen von 10,000 solcher Thaler erworben. Sie sind. bezeichnet diese Stufen mit den edelsten»Gesinnungen, mit den Beweisen ächter republikanischer Tugend und Sinnesart, Thätigkeit und»uneigennütziger Verwendung für das allgemeine Beste, in Entwürfen, Vorschlägen, Versuchen,»Theilnahme, Aufmunterung, Unterstützung, Beförderung dessen, was der gute Genius des Vater-landes einem seiner Söhne eingab; Darbringung dessen, was weise wohlthätige..Gesetze der Pracht»und einem üppigen Genusse des Lebens entziehen, auf den Altar des Vaterlandes. So sehen»wir erst den Vorschlag eines Versuches zum Besten der weiblichen Jugend mit Bereitwilligkeit„aufgenommen, dann die thätige Verwendung denselben, da er der Erwartung entsprochen, auch»fortsetzen, dann das Verlangen die Anstalt dauerhaft zu machen, und sie auf alle künftigen Ge-schlechter noch fortzusetzen, und dies Verlangen nun gänzlich in Erfüllung gekommen."