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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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stolzen prächtigen Rhein, übersetzten denselben bei Eiscskälte und Eises-gefahr bei Mainz, und hielten einige Rasttage in Frankfurt.

Hier vergaßen wir im Strudel der Vergnügungen, welche diese reicheund glückliche freie Reichsstadt schon damals darbot, sehr bald die in denletzten Wochen bestandenen Marsch-Mühseligkeiten.

Die Wcihnachtsnacht feierte ich in Weimar als wachehaltender Offi-«cr, bei 20 Grad Kälte, und dann ging's im Schnellschritt gen Leip-zig und durch die Wälder und steppenähnlichen Sandfelder der wendi-schen Lausitz; in Grünberg begrüßten wir den alt-vaterländischen Boden,und wurden in Glogau, unserer dcsignirten Garnison, freundlich em-^Pfangen.

Die rauhe Winterzeit erlaubte jedoch keine ostensiblen Empfangsfeste,Blumengewinde und Freudenkränze. Abends wurden im Theater diedeutschen Kleinstädter" dargestellt.

Gleichwie eine stark bewegte Wasserfläche sich nur nach und nachwieder beruhigt, so fügten sich auch die kriegerisch aufgeregten Elemente,welche noch bei der Mehrzahl unseres jüngeren kameradschaftlichen Ver-eines sichtbar vorherrschend waren eine leicht erklärliche Nachwirkung der gesetzlichen Ordnung und den paisiblen Gewohnheiten unseresneuen Lcbensverhältnisscs; ja wir fanden uns bald und gern heimischam wirthlichen Hcerde der lieben schlesischen Landsleute, und genossen auchdie mehr und mehr um sich greifenden Freuden, welche Bälle, Theaterund Gesellschaften uns darboten, mit vieler Lust und Genugthuung.

Hätte ich also wie es mein Wille war zum Eingänge desvorstehenden Satzes das Bild eines stürmisch wogenden Meeres" ge-wählt, so würde ich nun wahrlich in Verlegenheit gerathen, woher ichdie Wogen nehmen sollte, welche sich nur sehr schwer und mit stets wi-derstrebender Fluth zu einer ruhigen Spiegelfläche umgestalten.

Denn spiegelglatt bildete sich sehr schnell unser comfortablcs Leben,das eigentliche soldatische Nichtsthun, in welchem uns die nach der Uhrgeregelte Zciteinthcilung vom gemächlichen Schlürfen des Früh - Caffö's,mit obligatem Genuß von Journal-Lectiire unserer einzigen dama-ligen literärischen Wissenswelt zur glänzenden Wachtparade, wohl-