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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Bei dem damaligen Commandanten von Glogau, dem vielerprobtcnMilitair und geistreichen Schriftsteller, General von Valentini, öffnetensteh die Salons für die höhere Gesellschaft. Auch wir jungen Lieutenantsfanden Zutritt.

Dort stand ich eines Abends bei einigen Fräuleins, um deren lob-preisende Bemerkungen über die theatralischen Darstellungen, welche meh-rere Officiere des Regiments und Referendarien des Obcrlandcsgerichtsunter Leitung unseres Adjutanten gegeben, anzuhören, und auch mir ei-nige Blätter des so schön gewundenen Kranzes anzueignen. Ich hattenämlich mitgespielt, und in der Rolle eines naiven, schuldlosen Land-mädchens gar nicht übel debütirt. Die Damen unserer Gesellschaftenkonnten sich durchaus nicht entschließen, bei diesen ersten Versuchen inThaliens Tempel mitzuspielen, und so kam es, daß junge Männer fürsie eintreten mußten; deshalb standen auch wohl nur Travestien auf un-serem Nepcrtoir.

Für diese eben cingcsogenen Weihrauchwölkchcn bemühte ich mich nun,die lieblichen Lobspenderinnen vom nächsten Balle, unserer schönen Ja-nitscharen-Musik und dem herrlichen Wetter zu unterhalten, denn jungeLieutenants haben gewöhnlich eine geringe Auswahl der Gegenstände ihrerConvcrsationcn.

Doch werfen wir schnell diesen Ballast über Bord, um so rasch alsMöglich zur eigentlichen Pointe dieser etwas gedehnten Introduktion zugelangen.

Neben mir tönende Worteslaute weckten ferne Erinnerungen in mei-ner Seele; ich sehe einen jungen Mann in ernster Unterredung mit ei-nem älteren Herrn dicht an mir vorübergehen. Er war von vornehmenAnstaube und Haltung, in eleganter Civilkleidung und mit einem Ordengeschmückt, welcher die edle Herkunft desselben bekundete.

Nach einigem Nachdenken erkannte ich in dem eleganten Herrn mei-nen Freund aus Krappitz, welcher mir im Waffenstillstände 1813, wieich meinen Lesern S. 120 und 121 im ersten Bande dieses Werkes mit-theilte, kräftig und noblen Sinnes in jener bedrängten Lage geholfenhatte, und ohne seinen Namen zu nennen und ohne meinen Dank anhö-^n zu wollen abgercis't war.