Eben so schnell wie dort war er wiederum auch hier meinen spähen-den Blicken entschwunden, und Niemand konnte mir sagen, wer diese mirso geheimnißvolle Erscheinung gewesen.
Meine Phantasie war aufgeregt, und in sehr präoccupirter Stim-mung erschien ich des anderen Tages bei meinem Gönnerpaar, erzähltewährend der Tafel von meiner gestrigen Begegnung, und wollte ebenHut und Degen nehmen, um mich zu empfehlen, als mir von Krosigkzurief: „Wir werden etwas ausführen, lieber R., es ist schon ange-spannt." Wir flogen in der leichten Britschke über Stock und Stein,durch blühende Kornfelder, Wiesen und Wald, und hielten, nach einer klei-nen Stunde vielleicht, vor einem stattlichen Schlosse, am vorderen Saumeeines dunkeln Parkes gelegen.
Wir waren in Seppau, dem Landgute des Grafen von Schlabern-dorf, angelangt.
Der Besitzer, im blühenden Manncsalter und im leichten grünen Jä-gerkleide, empfing uns, den Major und mich, mit großer Zuvorkommen-heit, aber mit einem leichten Anfluge einiger Befangenheit.
Das war mein Krappitzer Freund, wie er leibte und lebte!
Bald saßen wir im kühlenden, mit Jagdattributcn, Hirschgeweihenund vielen Gewehren dccorirtcn Salon. Erfrischungen wurden gereicht.Von Krosigk fand Gelegenheit, mich abseits zu fragen, ob dies meinUnbekannter sei. „Ja! Ja!" war meine schnelle Entgegnung. Hieraufbemerkte der Major, daß er auf Minuten den Saal verlassen würde,und ich dann Gelegenheit nehmen solle, mich dem Grafen zu erkennenzu geben und herzlichst zu danken.
Als ich nun mit unserm Wirth allein war, sagte ich demselben, daßich ihn schon gestern erkannt habe, daher heute herzlichst danke für seinedamalige Güte, und dann ergänzte ich die ziemlich schlecht gesetzten Worte,— denn das wahre Gefühl kümmert sich nicht um rhetorische Corrcct-heit — indem ich meinem Freunde in der Noth um den Hals fiel.
Graf Schlaberndorf wehrte mich jedoch sanft von sich ab und ver-sicherte mir, wie ich mich irre, denn er wisse sich durchaus nicht einessolchen Falles zu erinnern. Schon stutzte ich, als der Major schnellin's Zimmer trat, auf unsern Wirth zueilte und ihm sagte: „Herr Graf!