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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
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eilfte Infanterie-Regiment, wie ich eben vernommen, in kurzer Zeit seineGeschichte publiciren wird, so werden in derselben des Obersten von FunckLeben und Wirken, als Commandeur des Regimentes in den Jahren 1813,1814 und 1815, die schönsten Blätter füllen.

Vor jenes Forum also den Vorgesetzten!

Es schied aber auch in jenen ersten Monaten nach unserer Rückkehr,im eigentlichen Sinne, das vielcrprobte und ruhmesrciche zweite schlesi-sche Regiment aus unseren Reihen. Denn wenn auch die Veränderungdes Namens vom zweiten schlesischen zum Eilften in eine spätere Zeit-epoche fällt, so zogen doch nun die alten, im Kampfe gehärteten und sichtreu bewährten Soldaten, unsere lieben, lieben Kriegskameraden dennnicht passender kann die letztere Bezeichnung angewendet werden inihre Heimath.

Zur Egge, zum Pflug, zu ihren ländlichen und bürgerlichen Geschäften.

Ich erinnere mich noch heute ganz genau und doch ist ein Mcn-schenalter seitdem vorübergcrauscht der Compagnie-Gestellung, bei wel-cher unser Capitain von Korth nach dem Dienstacte dieselbe zum Kreiseeinschwenken ließ, und mit wenigen, aber kräftigen Worten die Braven,welche auf immer von uns gingen, dankend und lobend verabschiedete;ja er trat an so Manchen heran, schüttelte ihm die dargereichte Rechteund bog den Körper etwas nach vorwärts, als ob er eine innere Be-wegung nur mühsam zurückhielte.

Wir jüngeren Officicre gaben dagegen unseren Gefühlen ungezwun-genen Lauf. Wir umhalsten, sobald der Capitain schnellen und entschie-denen Schrittes sich entfernt hatte, herzlichst die ehrlichen, braven undtreuen Kampfesgefährten; auch begleiteten wir sie ein halbes Stündchen,bis weit über das Glacis der Festung hinaus. Thierig trcmuli'rte nochein Mal auf der Violine, und im Chorus begleiteten die bärtigen Män-ner seine wehmüthige Weise. Probst sprach die Abschieds-Hymne. Undnun das letzte Lebewohl.

Da sahen wir unseren alten Soldaten noch lange nach, mit einemtief schmerzlichen, aber auch widrig aufgeregten Gefühl; denn man hatteden braven Männern so wollten es höhere Bestimmung und, viel-leicht recht lobcnswerthe, hier aber durchaus zur unrechten Zeit ange-