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warum länger den Dank abweisen, den Ihnen R. und auch ich rechtherzlich darbringen? Gönnen Sie uns Beiden die wohlthuende Ueber-zeugung, daß edler Sinn und hohe Bescheidenheit jede gute That gernverbirgt, aber auch den Dank, kleidet sich derselbe in wenige, aber auf-richtige Worte, eben so gern entgegennimmt."
Nach einigem Zögern erwiederte der Graf: „So sei's denn, aberunter der einen Bedingung, daß wir nie mehr jenes Vorfalles, den mirja die Pflicht gebot, erwähnen."
Perlender Rheinwein in dunkelgrünen Glasbechern besiegelte schwei-gend das gegenseitige Abkommen. Und als wir nach Hause kamen, undden Ausgang unserer Expedition erzählten, traten die schönsten Perlenu>'s Auge der Zuhörenden.
Unter den jungen Leuten, welchen ich fortan in Seppau öfters be-gegnete, war auch ein bildschöner Mann, von Liebermann; als Freiwil-liger und Lieutenant von der Garde-Cavallerie hatte derselbe den Be-freiungskrieg tapfer mitgekämpft, und sich nunmehr auf seine Stamm-güter zurückgezogen.
Hier bereitete sich von Liebermann zu der glänzenden Carriere vor,in welche Bestimmung und eigene Wahl ihn später geführt. Derselbewar lange Jahre Königl. preußischer Gesandter in Madrid und Kopen-hagen, und beschloß erst vor kurzer Zeit seine brillante diplomatische Lauf-bahn, nachdem er viele Jahre als bevollmächtigter Minister und Gesandter
Kaiser!, russischen Hoflager zu St. Petersburg fungirt hatte.
Leider hat Excellenz von Licbermann, wie ich vernehme, wegen zer-rütteter Gesundheit sich in die Stille des Privatlebens zurückziehen wol-len, und lebt jetzt wieder auf seinen Besitzungen, wie damals, wo wiruus in jugendlicher Lebensfrische begegneten.
Seinen lieben Nachbar in Seppau hat er freilich nicht wiedergefun-dn, denn schon vor vielen Jahren ist der Graf gestorben.
Der Oberst von Funck war schon in den ersten Monaten unseresAufenthaltes in Glogau, wie ich bereits erwähnte, zum General undBrigade-Commandeur in Danzig ernannt worden, und da das jetzige