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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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geschrieben, wie mir oft die alte Wärterin, wenn ich Unwahres sagenwollte, zusicherte, und mit tiefem Schluchzen beichtete ich das traurigeEreignis'.

Da wurde der gute Vater wirklich sehr böse, nnd außer der kurzen,aber genauen Bekanntschaft mit einem Züchtigungs-Instrumente, wel-ches seltene Eremplar gewiß noch von dem freundlichen Besuch der Ko-sacken im siebenjährigen Kriege herstammte (in unsern aufgeklärten Zei-ten finden wir solche schon in Paris, und selbst an der schönen Loire),erhielt ich drei Tage nur Wasser und Brot, und meine Wohnung imdunklen Kamine des großen Saales. Dort in finsterer Behausung habe ichallen Katzen Fehde, aber auch mir zugeschworen, nie mehr einem Thiereetwas zu Leide zu thun, und ich habe es so pünktlich gehalten, daß ichmich heute noch gern an die Spitze jeder Schutzgesellschaft gegen Thier-quälerei stellen möchte, wenn es nur etwas helfen würde.

Fräulein Lisel von Flennersdorf wurde mit allen Ehren und Feier-lichkeiten begraben, und mit ihr das Andenken an meine kindische That.

Der herrliche Pflegevater war mir immer der liebevollste Freund; niemehr hatte er Ursache mich zu strafen, also nur zwei Mal in sieben Jah-ren. Dagegen ruhcte öfters sein liebevoller väterlicher Blick auf meinerdamals kleinen und dicken, so unbehülflichcn Figur, und dann rief erwie halb bittend und halb unwillig:Junge! Junge! wachse und werdemir ein ehrliebcnder Soldat; Du bist ganz arm, Soldätcnchrc seiDein höchster Reichthum."

Alle Sonntage besuchten wir unsere Nachbarschaft, das schönste Schloßin der ganzen Umgegend weit und breit. Und welch' eine vortreffliche Fa-milie bewohnte es! Von dorther datircn sich die schönsten Freudentagemeiner Kindheit. Die beiden Söhne Louis und Heinrich, und George,der Neffe und Liebling Aller, wurden meine besten Freunde, und wir viere,in fast gleichem Alter, verlebten die Feiertage unserer Kindheit in den gro-ßen Sälen mit den glänzenden Ahncnbikdcrn, im ungeheuren Park mitseinen großarligcn Bassins, Cascaden, Muschelgrotten und Springbrun-nen, und wenn gar die älteste, bildschöne Tochter des Hauses sich un-sern Spielen anschloß, da entzündete sich zuerst der ritterliche Funken imjugendlichen Herzen, und jeder bestrebte sich, von Fräulein Minchcn bemerkt