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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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rief mich zum lockenden Frühstück, einem unmäßig großen Topft Milchund genügendem Landbrote. Doch nicht für mich allein, denn drei bunt-farbige seltene Katzen, welche, wie alle Hausthiere, mein Vater leiden-schaftlich liebte, waren die Beisitzerinnen. Ich hatte gemessene Jnstruction,mit dieser sehr verwöhnten und anmaßenden Gesellschaft die Milch unddas Brot gewissenhaft zu theilen. Dies war mir natürlich sehr unange-nehm, und mag wohl der Grund sein, daß Katzen mir seitdem sehr wi-drige Thiere geworden. Meine Frühstücksgcscllschaft hatte sehr vornehmeNamen, aber unleidliche Manieren: Fräulein Lisel von Flcnncrsdorf (vonflennen, schlcsisch für weinen und wimmern), Mosjeh Peter, und eineDritte, deren Namen auf die Nachwelt nicht kommen soll, da der Bericht-erstatter denselben vergessen hat.

Ich befand mich im immerwährenden Kricgszustande mit dem an-maßenden Katzen-Trifolium; auch glich der Frühstückstisch öfters einemSchlachtfcldc. Doch mein Jugendfreund Haltsest " war stets mein treu-ster Alliirter, und wenn auch hier nicht ganz ohne Nebenabsichten undnatürliche Aversionen, so muß ich doch sagen: Haltsest war stets beschei-den und genügsam. Aber nicht so die Katzen, und als eines TagesFräulein Lisel von Flcnnersdorf sich bis auf mein Terrain wagte, hetzteich den Freund auf sie, der aber auch gleich so grob zuschnappte unddas arme Fräulein zerzaus'te, daß selbiges auf dem Schlachtfelde wie todtliegen blieb.

Nun freilich war ich in großer Angst und Noth, und als beim Mit-tagessen der liebe Pflegevater die Fenster öffnen ließ, und mit lockendenSchmcicheltöncn seine Lieben zusammenrief, so kam wohl die alte brauneKuh und holte sich blöckcnd ihr Stückchen Brot, flog die weiße Licblings-h>Mne durch's Fenster auf des Hausherrn Arm und pickte bescheiden dieGräupchcn vom Teller, Herr Peter und die Murnen'n (eben kommt mirder Name der dritten Katze in's Gedächtniß) miauten, aber die cigent-l'ehe Sängerin, Fräulein Lisel, blieb aus/

Junge, was hast Du mit der Katze gemacht?" frug mich raschder Vater,hole sie gleich herbei!" Vor Angst und Schrecken wurdelch roth und blaß, vor Angst, denn die Katze war ja wirklich todt, vorSchrecken, denn ich glaubte, die ganze Geschichte stünde mir auf der Nase