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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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eine riesige Salzbüchse k äisorstion aufgehangen war, feuchtete das Brot! mit frischem Wasser, und bestreuete es mit grauem Steinsalze. Und soging es Sommer und Winter, und immer röther und dicker wurden dieBausbackcn, und immer enger die Montirung und die ohnehin knap-pen Höschen.

Nach meinem ersten Avancement zum Unterofficier schickte mir der Va-! tcr Reisegeld, und während der nächsten Ferien eilte ich auf Urlaub zumeinen lieben Pflegeältern. Der Vater hob mich an seine Brust undherzte mich gar inniglich; die Mutter aber und meine Schwestern, welcheich alle zu Hause antraf, sahen mit stolzer Freude auf den betreßten undbejubelten Militair.

Der alte Herr lächelte stets, wenn er meinen Anzug inspicirtc, suchteund fand in seiner Rüst- und Rumpelkammer einen hohen Officierhutund elito Uniform aus früherer Dienstzeit; im nächsten Städtchen wur-den diese Sachen dem kindlichen Körper zugestutzt, der entnietete Säbelmir um-, die Sporen angeschnallt, und ich so ausstaffirt auf den klei-nen dicken Schimmel gehoben und in meinem lieben, lieben Altraudten alswas Rechts" vorgestellt.

Aber mit dem Reiten wollte es durchaus nicht gehen; sobald der Trabbegann, balancirte ich im Sattel hin und her, und wenn der Vater mirzurief:Junge, festsitzen!" klammerte ich mich mit den Hacken an denSchimmel, das gute Thier schüttelte sich, und ich lag im Sande. Dieswiederholte sich einige Male, bis der Papa etwas unwillig die Sporenmir abschnallte, im nächsten Sandhügel am Wege bis zu unserer Rück-kehr am Abende vergrub, und mir dabei sagte:Wilhelm, Reiten mußtDu lernen, Du kannst doch nicht zeitlebens zu Fuße wandern."

Als ob der gute Vater prophetischen Sinnes und Blickes schon da-mals mein Lcbensgeschick überschaut hätte!

Bis hierher also der letzte Tribut! Nun beginne der Schnell- undDaucrlauf meiner militairischcn Carriere, welche herkömmlichen Bezeich-nungsworte ich nur deshalb beibehalte, da sie wirklich, im grellen Ge-gensatze mit der Schneckenbahn, welche ich in fünfzehn langen Friedcns-jahren durchschlich, einige, wenn auch nur ironische Bedeutung erhalten.