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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Abermals ein schlagender Beweis, wie so Manches im äußeren Le-ben sich mit anderen Farben und anderen Titeln und Würden schmückt,als das eigentliche innerste Wesen, und dessen wahrer Gehalt es bedingtund verdient.

So sei denn auch das hier angeführte tactisch schnellste Tempo derMaaßstab und Pendelschlag für unsere ferneren gemeinschaftlichen Wan-derungen bis zur Zeit, wo abermals ein regeres Leben, d. h. die praktischeAusübung den friedlichen Vorbereitungen folgt, das langweilige Schild-wachestchcn zu Ende ist, Feldwachen und Pikets ernstlich bezogen werden,und Fanfare und Schlachtengcstürm wieder in den Vordergrund treten.

Es war ungefähr in der Mitte des Juni unsers ersten Fricdenöjah-res, als mich ein eigenhändiger Brief des Prinzen August von Preußen,Chefs gesammter Artillerie, in den gütigsten Ausdrücken aufforderte, wie-derum in eine Waffe einzutreten, zu der ich die entschiedenste Vorliebehatte, und von welcher ich nur im Dränge der Umstände getrennt wurde.

Der sehr günstige Zeitpunkt, da aus den bestehenden drei Brigadenneun formirt wurden, und die schmeichelhafte Auszeichnung dieser Auf-forderung selbst, weissagten meinen glühenden Wünschen nach Ancrkcn-uung und dem militairischcn Ehrgeize die vollste Genugthuung; auch ant-wortete ich ungesäumt meinem hohen Gönner, und die Freude, recht balddem schwarzen Kragen und dem Geschühvolke bei welchem ich amI20pfündigcn Morticr hoch oben auf dem Donjon zu Glatz dem Kö-nige Treue geschworen nochmals anzugehören, leuchtete aus mei-nen jugendlichen Blicken und führte auf kürzestem Wege das Herz aufdie Zunge.

Ich träumte und sprach nur von dem bevorstehenden Glücke, undWenn auch die lieben Farben, gelb und roth Farben, welche sichNlcrkwürdigcr Weise wie ein freundlicher Schicksalsfaden durch mein gan-zes Leben hindurchzogen, denn sie haben mir nur Freude und Ehre be-reitet ich sage, wenn ich auch diesen lieben Farben diesmal ein Adegeben mußte, so geschah es doch mit der Genugthuung, solche ehrenhaftgetragen zu haben.

Mehrere Monate vergingen, ehe ich irgend eine nähere Auskunft er-