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und entschiedene Heldencharakter von Jork einst in Breslau in einer Ge-sellschaft, wo die Elite der schlesischen Edlen zugegen, mit den Worten in-trvducirtc: „Meine Herren! dies ist Oberst-Lieutenant von Stockhau-sen, ein Ehrenmann, vor welchem ich jedesmal zuerst den Hut ziehe, wenn>ch ihm begegne."
Und wer von uns den alten General von Jork gekannt hat, mit sei-nem starren, unbeugsamen Sinn, fast feindlich gestimmt gegen jede ihm leerdünkende Höflichkeitsbezcugung, welche jedoch Convcnicnz und der Umgangmit gebildeten Menschen ihm gebot, der wird die Werthschätzung ermessenkönnen, welche der eiserne Held mit jenen Worten aussprcchen wollte.
Jetzt stehen wir noch in unsern Erzählungen am Eingänge einer lan-gen schönen Fricdcnszeit; Alle, Alle, die durch schweren und harten Kampfm Krieg und Noth solche zu erringen verstanden, leben noch und wal-ten frisch und in rüstiger Manneskraft. So auch unser Oberst-Lieute-nant von Stockhausen. — Fünfundzwanzig Jahre später werden wir denCypressenzwcig auf des wackern Mannes Grab niederlegen. Bei der Er-füllung dieser traurigen Pflicht will ich des General-Lieutenants von Stock-hausen Leben, Walten und Wirken wie in einem Guß darzustellen mich be-mühen. Möchte mir dann mein Vornehmen so gelingen, als es meineAbsicht ist, damit das Abbild dem Original gleiche, und Schillcr's herr-liche Worte: „Das Werk lobt den Meister", ihre volle Anwendung fin-den; denn es gilt, gerechtes, treu verdientes Lob und Ehre dem tapfern,rechtschaffenen Manne zu spenden.
Das drciunddreißigste Infanterie-Regiment rückte nach Glogau in un-sere Stelle. Kaum hatte das schöne Corps, das zur Erinnerung seinerausgezeichneten Thaten in der schwedischen Armee noch heut an den Kopf-bedeckungen eine bezügliche Inschrift in glänzendem Metall trägt, vonden neuen Quartierständcn Besitz genommen und den dienstlichen For-men genügt, als auch das Officicr-Corps, an dessen Spitze ein helden-mütiger Oberst, die höheren Gcsellschafts-Classen des in dieser Beziehung^sonders reich und lieblich ausgestatteten Glogau's begrüßte. Dieses her-kömmliche und deshalb unbedeutende Ercigniß würde ich, ohne es zu bc-Aihren, hier Übergängen haben, wenn nicht dabei ein ganz eigenthümli-ches Zusamentrcffcn stattgefunden hätte, welches man mit angesehen und
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