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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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mit gefühlt haben mußte, um den Eindruck, welchen es auf die Gemü-ther der Umstehenden machte, vollkommen zu ermessen und zu würdigen.

In einem der hitzigsten und gefährlichsten Momente des mächtigenZusammenstoßes kolossaler Cavallerie-Massen in den glorreichen Tagender Völkerschlacht von Leipzig begegneten sich auch zwei Heldemnänncr je-ner hochherzigen Kampfeszeit, beides Offnere, beide mit Lanzen und Sä-bel bewaffnet und herrliche muthschnaubcnde Rosse ritterlich tummelnd.Sogleich ist auch das Ehrenduell im Gange; ein Duell konnte man esnennen, denn die Escadronen beider fechtenden Offnere standen, ermü-det und fast unfähig die fürchterlichen ununterbrochenen Angriffe fortzu-setzen, als Zuschauer und schützende Sccundanten dicht rückwärts. We-der der Commandeur des feindlichen Geschwaders, noch der diesseitigejunge Adjutant des schlesischen Ulanen-Regimentes wollen und könnenweichen und den Zwcikampf beendigen; denn selbst ihre Pferde rennenimmer von Neuem ergrimmt auf einander ein. Da unterbricht einallgemeiner Choc der ganzen siegreichen Schlachtlinic den unentschiedenenZwcikampf, und nur noch wenige Augenblicke sind übrig, daß beideEhrenmänner die Versicherung gegenseitiger Achtung aussprcchen, bevorsie sich trennen, und jeder eilt nun mit einem herzlichen:Auf's Wie-dersehen, braver Kamerad!" zu seiner Schaar zurück.

In Glogau haben sichdie feindlichen Brlidcr" wiedergefunden, beidenunmehr dieselben Feldzeichen tragend, der Oberst-Lieutenant von Tollvom drciunddreißigstcn Infanterie-, bei Leipzig französischer Lanciers-Obcrst, und der Lieutenant Julius vom schlesischen Ulanen-Rcgimcntc.

Eben sollten im blühenden und duftenden, zum begrüßenden Empfangegeschmückten Schloßgartcn die Präsentationen beginnen, als sich zu unserAller Erstaunen die genannten Männer mit dem Ausrufe:Lieber Bru-der!" in die Arme sanken, und sich lange und innig umschlossen hielten.Bald folgte die Aufklärung, und vor freudiger Wchmuth flössen die lau-tersten Thränen aus schönen Augen; mit ächt weiblichem Anstande feier-ten liebliche Damen die Männer, welche nun für die Lebenszeit vereinteBruder blieben, und noch lange gab diese rührende, hochherzige Begeben-heit reichen Stoff zu gegenseitigen Unterhaltungen.

Ich eilte im Juli mit meinem lieben Major in unsere neue Garni-