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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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Wer je dem Wogen und Treiben solcher Feste, wo Tausende in be-schränktem Raume sich alle nach einem Brennpunkte, hier die KaiserlicheDame, drängen und hin- und hcrströmcn, beigewohnt, wird es leicht^greifen, daß es dem Glücklichen und Beneideten, welcher den Fund ge-than, unmöglich ward, noch in denselben Abendstunden das besagte Kleinodselbst zurückzugeben. Und selbst wollte er es thun, dies gebot ihm rit-terliche Pflicht und edles Stolzgcfühl.

Darum verschob er es bis zum nächsten Tage.

Aber schon den andern Morgen früh 4 Uhr war die Kaiserin abge-eeis't, hatte jedoch dem Chef-Präsidenten noch beim Einsteigen in den Wa-gen laut und dringend empfohlen, die Lorgnette, als ein ihr sehr theu-rcs prstium ullsetionis, um jeden Preis wicderzuschaffen, und dannaugenblicklich nachzusenden; deshalb vermuthete natürlich Jeder, daß dieLorgnette von hohem Nennwcrthe sei. Der nunmehrige Besitzer derselbenahmte jedoch nichts von diesen Specialitäten, und betrachtete von nun an,da die Kaiserin abgereist war, den glücklichen Fund als sein Eigenthum.

Ich befand mich zur Zeit der Anwesenheit der hochgcfcicrtcn nordi-schen Scmiramis, wie meinen Lesern erinnerlich, in Obcrschlesien, in derFamilie des Landraths des Nosenbcrger Kreises, und da derselbe nebstseinen Söhnen, ebenfalls der Einladung zufolge, nach Brcslau's Zau-berfcsten gereist war und zu einer bestimmten Zeit zurückerwartet wurde,versammelten sich die edlen Frauen und Männer der Umgegend, um ausLeu Erzählungen der Heimkehrenden Wunderdinge zu vernehmen.

Die Spannung der Erwartenden wurde auf einmal durch den Frcu-denruf:Sie kommen, sie kommen! Da sind sie!" unterbrochen, undur leidenschaftlicher Aufregung sprang einer der Söhne, Officicr einesrheinischen Regiments und als beurlaubt im väterlichen Hause, in den^erscu,imlungSsaal, hielt eine kleine unansehnliche Lorgnette von Schild-patt hoch empor und rief: Von der Kaiserin, von der Kaise-rin!" Allgemeines Staunen und Unglauben; doch während dasAugenglas von Hand zu Hand wanderte, um betrachtet zu werden, er-zählte der Glückliche die Art und Weise, wie solches in seinen Besitz ge-kommen war. Meine freundlichen Leser kennen bereits den Hergang. Derälte Landrath, ein biederer und ehrenwerther Oberschlesier, versicherte mit