Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
59
JPEG-Download
 

59

den fremden, ganz besonders aber der französischen Mundart; schnellsteAuffassung eines jeden geselligen Verhältnisses und tiefe, aber discreteBeurtheilung und Benutzung der Einzelnen mit ihren Vorzügen undselbst ihren Mangeln; Skizzirung der interessanten Situationen des Le-bens und ihrer Träger, der darin handelnden Personen, sowohl ingeistiger Auffassung als mit Crayon und der Feder, und bei letztererGeschicklichkeit noch die Fertigkeit einer immer sich gleich bleibenden le-serlichen Handschrift. Zu diesem Behufe wurden zu meiner Zeit undspäter noch lithographirte Mustcrblätter ausgegeben, und ich erinneremich, so manche guten Kameraden gekannt zu haben, welche Tage, Wo-chen, ja Monate lang mit der gewissenhaftesten Ausdauer sich unaus-gesetzt im Nachschreiben übten, um dann um so gewisser in den Gcne-ralstab eintreten zu können.

Die sogenannten ritterlichen Uebungen, in welchen die auserwähltenOffnere für den Gencralstab crcellircn mußten, bestanden vorzüglich imReiten, auch Tanzen, weniger im Fechten und Schießen. Dies Letzterewäre wohl in so fern unnütze Zeitverschwendung gewesen, da die höhereBildungsstufe des Adels, als besonders bevorzugter Stand bei genann-ten Wahlen, das Ritterliche schon von Jugend auf aus der Ahnen Bei-spiel erlernt und sich zugeeignet haben mußte.

So ungefähr, wie in dem Vorstehenden, erschien mir während mei-nes mehrjährigen Aufenthalts auf der Kriegsschule und im topographi-schen Bureau und überhaupt nach den Principien, welche die damaligenMilitairverhältnisse in Berlin bedingten und heraushoben, die erforderlicheOualification zum Gencralstab. Habe ich in der Auffassung und dieserDarstellung gefehlt, nun so ist es nur ein Beweis mehr eines minder ge-enterten und erweiterten Urtheils, welches unbedingt zu diesem wichti-ger> Vornehmen und dem Erkennen der eingreifenden Verhältnisse erfor-derlich ist.

Im zweiten Jahre meines Commando's beim topographischen Bu-reau verblieb ich unausgesetzt in Berlin; eine mehr als gewöhnliche Fcr-t'gkeit im Zeichnen und durch frühere praktische Anschauung erleichterteAuffassung in der Aufzeichnung von Truppenftellungcn und Bewegun-gen auf einem gegebenen Terrain, machte mich besonders dazu brauch-