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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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kr der Jungfrauen waren mit der blaurochen Farbe des Frostes wie über-lüncht, und die Zähne konnten, wie leicht zu erachten, nur mühsam vomlauten Zusammenstoßen zurückgehalten werden.

Wir Officiere waren nunmehr schnell voraus nach dem Schlosse ge-lingen, und ich gewann noch eben so viel Zeit, in demselben Saal,^ die Leib-Compagnie des ersten Garde-Regiments als Ehrenwacheaufgestellt war, mich in die ersten Reihen der Zuschauer einzudrängen,^ dem nunmehr in Gott ruhenden, damals aber in schönster Mannes-lt und Würde prangenden König unverwandten Blickes folgen zu kön-Er schritt mit ernster Haltung, aber mit Ungeduld im Blicke, demersten Ersehen mit seiner neuen geliebten Tochter schnell entgegen, und^Mde vor der präsentirenden Ehrenwache sanken sich Beide, die Brautdnd Vater unsers glückseligen Kronprinzen, einander in die Arme.

Nichts schien berechnet bei diesem Empfange, und doch stimmte undlpte Alles wie aufs militairische Commando zusammen, um diesenschönen Moment auch als höchst feierlich und abgemessen darzustellen. Derlüg führte nunmehr die liebliche Braut in den Kreis der ihrer wartendenl'igsfamilic und dem entzückten Bräutigam zu. Was hier ferner ge-lhcn, was gesprochen und ersehnt und gefühlt worden, kann man sichdenken, aber gesehen habe ich nichts; denn sehr bald entzogen sich dieligltchcn Herrschaften dem Gedränge des schaulustigen Publicums inl Sälen, um sich von dem hohen Balcon herab der neugierigen in Liebe^ Ehrfurcht harrenden Volksmenge zu zeigen. Die schöne Braut glänztel zwischen dem Könige und dem Königssohnc.

Nvvcmbertage sind kurz; bald lagerte sich die Finsterniß eines schwe-^ Nebels auf dem Schloßplatz; nur die Linden im weiten Hintergründeals ferne und halb erleuchtete Geistergcstaltcn aus dem Chaos her-Dagegen standen die hohen Pappeln wie riesige Grenadiere zur Wachtschönen Königlichen Schlosse, das uns Preußen das Theuerste barg,wir besaßen, und was wir noch besitzen: die Liebe und väterliche^igniig und Huld unsers hochseligcn Monarchen, die Liebe und glü-^ und wohlwollende Theilnahme unsers jetzigen Königöpaars. Solte ich und so bewegte es mich damals und auch jetzt noch.

Da schallen laute Feiergcsänge durch die Lüfte, und mit Tausenden