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2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
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den seit vielen Jahren zerrissenen Faden des Gedächtnisses wieder gchs-rigen Orts anknüpfen zu können!

Mein Gott Wf! was machst Du hier?" schrie ich unwillkür-lich auf. Discret zog sich der Unglückliche in die Gebüsche zurück, denndie umstehenden Kameraden hatten meinen Ausruf bemerkt.

Ich trennte mich bald von meinen schäkernden Freunden, und fandmeinen ehemaligen Waffenbruder im dunkelumlaubtcn wcitentlegenen Sn-tcnwege.

Hier erzählte er mir sein Unglück. Er hatte den Abschied bekommen,hierauf ohne Wahl und leichten Sinnes geheirathct, Sorgen drückten, under wußte sich nicht zu beschäftigen. Charakterlos, und ohne feste Lebens-Principien, war er hierauf von Stufe zu Stufe gesunken. Er bat michum eine Gabe, seinen gräßlichen Hunger stillen zu können. Ich theilsmit ihm meine Baarschaft, ich hatte aber leider nur sehr wenig.

Von Wf war schon in männlich-reiferen Jahren, schwächlich anGeist und Körper, aber gewiß mehr unglücklich als niedrigdenkcnd; denndiscrctcn Sinnes vermied er es sichtlich mich Bruder zu nennen. 3^mahnte ihn darum, betonte das von mir ihm oft zugewendeteDUschärfer, als ich es hätte thun sollen, denn es konnte ihm dünken, alswollte ich ihn dadurch so gewiß von Oben herab beglücken. Und nichtsverletzt mehr als vornehme Herablassung.

Diese lag zwar nicht in meinem Charakter und in meinem Willc»,aber Unglück erzeugt Mißtrauen.

Ich bat v. W., mich zu besuchen. Er versprach es; ich habe ihnaber nie wiedergesehen.-

Beim Königlichen Hochzeitsfestc im glänzenden weißen Saale wog^tcn Tausende der geladenen Gäste; doch trotz der hohen Bildung, welcheallein nur zu diesem Vorzüge befähigte, drängte und stieß Alles nur naä-einem Ziele, den vier oder fünf Tischen, an welchen die Königlichenschaften Whist oder Boston spielten oder zu spielen schienen.

Am ersten Tische saßen der König, der Kronprinz, die Kronprinz^und entweder die Prinzeß Wilhelm, oder die damalige Herzogin von 6uM-berland.

Man drückte und drängte sich dicht an den Spielenden vorüber, suchte