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"um gnädigen Blick oder ein gnädiges Wort zu erhäschen, und das hieß:seine Cour machen.
Auch ich hatte meine Cour gemacht, weder Blick noch Wort erhäscht,""l> nur bemerkt, daß der Königliche Herr sich den Schweiß trocknete und^>ge Male: „Sehr heiß, sehr heiß!" etwas ungeduldig betonte.
Die Kronprinzcß war die lieblichste Erscheinung, in welcher jeder^cußc mit Hochgefühl seine künftige Königin bewunderte. Brauner vol-
Lockenschmuck, dunkle blaue Augen, aus denen das innere Juwel^ Herzcnsmilde und Sanftmut!) strahlte, das edelste Oval des Gesichts,»nd die Büste wundervoll, wie nach der Antike gemeißelt. Vor allem^ entzückte mich die blendend weiße Hand, welche, vielleicht als Ab-^>ter einer selbst für Königinnen so anziehenden Verlegenheit, mit denlernen Spielmarken im Kästchen graciös tändelte. Da durchblitzte mich^ kühner Gedanke! — Der Kronprinz schien auch nicht ganz Herr sei-^ sonst so glücklichen Laune werden zu können; Ideen und Gedanken-spule mochten die Kartenparthie zu einer wirklich sehr heißen und glü-^ndcn machen.
Glücklich war ich bis zum dritten Tische gelangt, denn nur mit Vor-""k Umsicht konnte es geschehen, da man von allen Seiten gestoßen undAbrängt wurde, als ich dicht vor mir dem etwas starren und gcdanken-svsen Blicke aus zwei großen Augen begegnete, welche irgendwo mich schon^geglotzt haben mochten.
Richtig, es war wieder ein Freund aus jenem Nachmittags-Bru-^binwe!
Der Major und Commandeur eines Bataillons von einem Garde-^egiment, ein ausgezeichnet braver und tüchtiger Offerier, mit eisernem^uz und russischen Orden geschmückt; aber, wie ich später hörte, stets
befangener und moroser Stimmung, da seine schweren Verwundun-!stn von Bautzen und von Leipzig her ihn fortwährend peinigten undGälten.
klebrigens schienen ihm auch die glänzende Uniform und die Stabs-^ficier-Epauletts bedeutend zu Kopfe gestiegen zu sein. Er hatte ganz"s Ansehen eines aufgeblasenen und sich und seine Stellung weit über-senden Mannes.