Buch 
2 (1847) Fünfzehn Friedensjahre. Aufenthalt in Russland, Rückkehr 1830. Feldmarschall Graf Gneisenau und General der Infanterie von Grolman. Die Citadelle von Antwerpen vom October 1830 bis Ende 1832. Aufenthalt in Holland / von Wilhelm von Rahden
Entstehung
Seite
78
JPEG-Download
 

78

Mit etwas zurückgehaltener Freude rufe ich seinen Namen!

Ein ernster Blick von demselben sollte vermuthlich mich, den Lieute-nant von einem Feld-Regimente, in gemessene Schranken zurückweisen;denn der Herr Major warf sich in die Brust und fragte:Meinen Sieetwa mich, Herr Lieutenant?"

In möglichster Kürze, denn unsere ganze Unterredung geschah wäh-rend wir neben einander die Cour balancirten, nannte ich meinen Na-men, berührte unser früheres Zusammentreffen, und fragte, ob er sichdenn nicht unsers Bruderbundes erinnere.

Mir schien es, als ob dem Gefragten das Blut aus allen Porenseines ohnehin feuerrothen Gesichtes springen wollte, so erbitterte ihn, denGarde-Stabsofficier, die unerhörte Dreistigkeit und Kühnheit eines Lieu-tenants von einem Feld-Negimcnte, veraltete Erinnerungen auffrischen'und auf dieselben gar eine solche insipidc und unwürdige Folgerung be-gründen zu wollen, als müsse er mich noch heute als Waffenbruder an-erkennen. Ein Stabsofficier von der Garde und ein Lieutenant von ei-nem Feld-Regimente, quollo iclös!*)

Doch ich konnte mich damals in meinen Voraussetzungen irren, undda wir beide eben von dem Strome etwas beiseit geschoben wurden, fragilich den Major in ziemlich ernsthaftem und gehaltenem Tone:Aber, lie-ber Freund! erinnerst Du Dich, ehemaliger Lieutenant von den Pow-mcrn, jetziger Herr Major von der Garde, wirklich gar nicht mehr Dei-ner Bekanntschaft mit mir, dem Lieutenant N. von den Schlesiern?"Nein, nein! ganz und gar nicht; ich habe Sie nie gesehen undwünsche keine ferneren Auseinandersetzungen!" war seine erzürnteAntwort.

Vergessen wir nicht, daß wir im Jahre 1823 lebten. Heute ist es ganz andersEine durchaus wohlthuende, höchst angenehme Färbung der Verhältnisse, bal»aus hohe Intelligenz, die gediegenste Auswahl einer wahren Cräme der Noble»in Denkart und Geburt, und hauptsächlich der eminente Vorzug, immer u»tckden Augen eines geistreichen Monarchen leben zu können, giebt dem heutig^Offieier-Corps der auserwählten Haustruppen das Gepräge »wie es sei»und sein muß", um als Muster und Vorbild zu gelten. Man kann sog'" ^Bemerkung, als ob ein gewisses Empreffement, immer zuerst Artigkeiten zuden, an Affectation grenze, nicht ganz unterdrücken.