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wenn Schnee und Eis die classischen Erercir- und Manocuvreplätze deckt!dann kehrt Jeder zu seinem Truppcntheil zurück.
Hier erblühet ihm der Lohn und seine Lorbeer«: er wird nun derMeister, der Lehrer; als legitimer Vertreter des großen Musterbildes wirder gefragt, geehrt und consultirt, bis übcr's Jahr ein Anderer an sti^Stelle tritt.
Dann kommt das Erlernte gleich alter, nichts mehr geltender Waarein die Rumpelkammer.
Und ganz natürlich ohne alle persönliche Animosität oder Rancune-
Es ist ja wieder etwas Anderes Mode geworden.
Und hier treffen wir auf die schwache Seite jedes Normalen im Fric-den: es läßt sich, wie Alle und alles Andere, von dem was gerade Modcist durchaus beherrschen.
Mich dünkt, dies ist die einfachste und richtigste Erklärung von der»Entstehen und Wirken eines Lehr- oder Normal-Bataillons im Friede»-Es trägt die wehmüthige Devise:
„Blüthe, Frucht, Staubwerden in eines kurzen Jahres Frist."
Die schöne Idee einer Normaltruppe im Kriege ist sehr alt.
Die Silberschildner Alexanders, die Cohorten und unsterblichen Le-gionen Roms, und in unsern Zeiten „ die alte Kaiscrgarde", mit ihre»',bei Wenigen noch durch eigene Anschauung, bei Vielen nur durch Tra-dition bekannten
„tu viertle garcke meurt nisi8 eile nv sv renä pas",sind in gutem Gedächtniß.
Denn ob Cambronne das Vorstehende gesagt hat, oder nicht, thutwenig zur Sache; wir haben es öfters mit angesehen, daß dies wahr-haftig keine bloße Redensart war.
Das Friedensjahr 1824 war ein doppeltes Normaljahr, in so ftr»nämlich, daß außer dem Jnfanterie-Lehr-Bataillon noch ein Garde-Landwehr-Lehr-Bataillon (aus welchen Gründen weiß ich nicht) errich-tet wurde, und da die Linie selbst der Landwehr, wenn diese ihr: „Gott sür König und Vaterland" im Gardestcrn führt, nachstehen wrch,so bildete das Lehr-Infanterie-Bataillon fortan den fünften integrire»-dcn Theil des ersten Garde-Regiments.